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Yes - - Fly From Here cover

Band: YES
Album: Fly From Here
Spielzeit: 47:33 min.
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 01.07.2011
Homepage: www.yesworld.com
WERTUNG: 8,5 von 10

Yes, they're back! Anders und/oder viel besser kann man es nicht formulieren. Nach einer Funkstille von 10 Jahren haben sich die Herrschaften von YES wieder aufgerappelt und servieren uns Studioalbum Nummer 23. Natürlich konnte man gespannt sein, was uns das Flaggschiff des Progressive/ Art Rock auf dem aktuellen Album „Fly From Here“ bieten würden. Würde es einen Schritt in die eigene sehr erfolgreiche '70er Jahre Phase geben, oder kokettieren die Herren um Howe und Squire wieder vermehrt mit ihrer poppigeren '80er Ausrichtung? Die Antwort ist recht einfach! Man kann beide Fragen mit einem glasklaren „JA“ beantworten ;-). Der Rundling bietet einen Querschnitt aus allen Schaffensphasen des Prog Urgesteins ohne großartig anzubiedern oder zu kopieren. Vom Sound her ist der Silberling überraschend frisch und modern ausgefallen.

Die letzten Jahren gingen recht turbulent im Hause YES zu. Rick Wakeman verließ die Formation, kehrte zurück, wurde durch seinen Sohn Oliver ersetzt, der wiederum durch den ASIA Keyboarder Geoff Downes ersetzt wurde. Sänger Jon Anderson stieg aufgrund seiner Asthmaerkrankung aus (er trennte sich zum zweiten Male von der Band) und wurde durch Benoit David ersetzt, welcher über 10 Jahre bei der kanadischen YES Tribute Band CLOSE TO THE EDGE performte. Neben Downes arbeitete die Band mit einem weiteren alten Weggefährten zusammen. Trevor Horn ( Ex THE BUGGLES, wie auch Downes, sang auf dem YES Album „Drama“ und produzierte/ co-produzierte „90125“ / „Big Generator“) produzierte nicht nur „Fly From Here“, sondern zeigte sich, wie auch sein THE BUGGLES Kumpan, für das Songwriting mitverantwortlich.

Um ein bisschen Klarheit in die aktuelle Besetzung zu bringen, folgt jetzt erstmal das Line-Up:

Benoit David - Gesang
Steve Howe - Gitarre, Gesang
Chris Squire - Bass, Gesang
Alan White - Drums, Percussion
Geoff Downes - Keyboard

Des weiteren wurde die Band durch folgende bekannte/ ehemalige Musiker der Band unterstützt:
Oliver Wakeman: Keyboard bei den Songs: „Fly From Here pt I - We Can Fly“,
„Fly From Here pt V - We Can Fly Reprise“ und „Hour Of Need“
Trevor Horn: Backup Gesang, Keyboard
Luís Jardim: Percussion
Gerard Johnson: Klavier bei: „The Man You Always Wanted Me To Be“

Jetzt werden natürlich einige Anhänger aufschreien und vermuten, dass schon alleine die Hinzunahme der Herren Downes und Horn ein Album im Stile „des Dramas“ oder gar „Drama – Part II“ folgen wird. Diese Parallelen kann man, nur auf den musikalischen Teil bezogen, entkräften. Das man sich trotzdem ein bisschen an diese Zeit erinnert fühlt, liegt vor allem daran, dass sich YES dazu entschlossen haben, einen 30 Jahre alten THE BUGGLES Song („ We Can Fly Here“), als Grundgerüst für das aktuelle Album zu verwenden. Natürlich covern sie nicht nur den ehemals aus 2 Parts bestehenden Song, sondern bauen diesen zu einem, aus 6 Teilen beinhaltenden, Miniepos aus. Ich habe mir den Originalsong (ich kannte ihn bisher nicht) angehört und muss feststellen, dass die Herren um Howe die eigentliche Struktur beibehalten haben, den Song aber einen eigenen und vielfältigen Anstrich verliehen haben. Herausgekommen ist dabei eine schöne, melodische und symphonische Mammutnummer, die vor Witz und Ideenreichtum kaum zu überbieten ist. Für mich stechen dabei 2 Teile besonders hervor. „Fly From Here pt I - We Can Fly“ ist einfach eine wunderschöne, eher poppige und simpel gehaltene Nummer, bei der Benoit's super angenehmer und warmer Gesang das absolute Highlight darstellt. Seine Stimme ähnelt die von Jon Anderson schon sehr arg, aber ich persönlich finde, dass er trotzdem in der Lage ist, eigene stimmliche Akzente zu setzen. Auch Howe's einfallsreiches Spiel kann sich hören lassen. „Fly From Here pt III - Madman At The Screens“ ist der Teil, der mich vor entzücken aufjauchzen lässt! Hier wird ganz feiner symphonischer Art Rock geboten, der mich an Großtaten aus den '70er Jahren erinnert. Die Bandleistung bewegt sich auf einem sensationell hohen Level und ist einfach nur phantastisch. Howe, Squire und White agieren voller Spielfreude und Einfallsreichtum. Aber das größte Lob geht an die Keyboard-Fraktion um Downes. Nur GEIL!

Neben dieser wirklich gewaltigen Nummer bietet „Fly From Here“ noch weitere 5 Songs, wobei mich aber nicht alle 100%ig überzeugen und das phantastische Niveau nicht gehalten werden kann. „The Man You Always Wanted Me To Be“ ist eine weitere sehr melodisch ausgerichtete Nummer, die bei mir einfach nicht hängen bleiben mag. Ich finde sie teilweise uninspiriert bis zu langweilig. „Life On A Film Set“ ist spannend aufgebaut und überzeugt mich aufgrund der tollen Arbeit von Howe und den packenden Keyboard Parts von Downes. Irgendwie kommen beim Hören Erinnerungen an YES kommerziellste Phase auf. Ser Song erinnert mich nämlich stark an das Material von „90125“. Bei dem eher unauffälligen „Hour Of Need“ packt Howe seine Akustische aus und verbreitet eine gewisse Lagerfeueratmosphäre. Auf dem Instrumental „Solitaire, welches aus der Feder des Gitarristen stammt, spielt er sehr zurückhaltend und gefühlvoll. Der Song reiht sich wunderbar in die eh schon sehr melodiöse Ausrichtung von „Fly From Here“ ein. Der Rausschmeißer „Into The Storm“ ist wieder ein sehr gradliniger und kommerzieller Song. Nicht überragend, aber er ist ein würdiger Abschluss eines wirklich unterhaltsamen und kurzweiligen Albums.

YES ist bestimmt nicht ein Meisterwerk gelungen und trotzdem ist „Fly From Here“ ein verdammt starkes Album geworden, welches einmal mehr beweist, dass sie wirklich tolle Songs schreiben und die Musiker, auch im fortgeschrittenem Alter, so manche jüngere Kollegen blass aussehen lassen können. der mutige Schritt, sich einen neuen Sänger in die Reihen zu holen, macht sich bezahlt. Benoit David's Gesang erinnert zwar an Anderson, aber ich bin mir sicher, dass der neue Barde zukünftig noch weiter aus dem Schatten seines mächtigen Vorgängers heraustreten kann.

Anno 2011 klingen YES frisch, sehr melodiös und können bisweilen durch gut durchdachte Songs überzeugen.
Ich habe mir das Album jetzt ungefähr 30 mal angehört und bisher sind keine Ermüdungserscheinungen aufgetreten. Vielleicht erscheint „Fly From Here“ im ersten Moment unspektakulär, aber dieser Eindruck täuscht definitiv, denn es gibt sehr viele überraschende und überragende Soundfragmente zu entdecken. Ältere Bandanhänger dürften nicht enttäuscht werden und jüngere Fans sollten hier unbedingt mal ein Ohr riskieren.

Von meiner Seite kann ich, mit einem ganz ruhigen Gewissen, eine verdammt starke 8,5 aus dem Ärmel zücken.

Trackliste:

Fly From Here - Overture
Fly From Here - Pt. I - We Can Fly
Fly From Here - Pt. II - Sad Night at the Airfield
Fly From Here - Pt. III - Madman at the Screens
Fly From Here - Pt. IV - Bumpy Ride
Fly From Here - Pt. V - We Can Fly Reprise
The Man You Always Wanted Me To Be
Life On A Film Set
Hour Of Need
Solitaire
Into The Storm

Götz

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