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Wertung: 8 von 10

Suprise, surprise … ausgerechnet eine ungarische Band hat es geschafft, sich in den letzten 2 Wochen in meinem Player fest zu fressen. Sobald ich die CD „Existing Unreal“ nur in die Hand nehme, verlässt meine Freundin fluchtartig das Wohnzimmer und verzieht sich, mit ihrem MP3 Player bewaffnet, in einen anderen Raum. Der recht verspielte Thrash/ Death Metal ist ihr wohl eine Nummer zu heftig. Mir geht er dagegen sehr gut rein, da er verdammt ambitioniert dargeboten wird und sich von den typischen Death Metal Releases abgrenzt.

Das in Miskolc beheimatete Trio besteht seit 2005 und hat bisher die EP „009“ (2007 in Eigenregie) und das Album „Explanation: Unknown (2008) veröffentlicht. Mir waren beide Veröffentlichungen nicht bekannt und werde mich, in den nächsten Monaten, auch mal mit diesen beschäftigen. Das Debüt konnte im Heimatland der Jungs für einigen Wirbel sorgen und wurde zum „Newcomer Of The Year“ bei den IV. Hungarian Metal Awards gekürt. Live Erfahrungen konnte die Combo als Vorgruppe von u. a. GRAVEWORM, HYPOCRISY, DEVILDRIVER und GOD FORBID sammeln. Bei ihren Gigs werden sie durch den Gitarristen Gyula Czeglédi unterstützt.

Die Band besteht aus:
Gábor B. Melegh – Growls, Keyboards & Gitarre
Szabolcs Zsengellér – Bass, Clean Vocals
Tamás Galántay – Schlagzeug

Ihr rauer, schneller Trash/ Death Metal hat eine kräftige Schlagseite in Richtung technischen Thrash, was mir sehr gut gefällt. Des weiteren verfügen die Ungarn über einen verdammt guten Riecher was Melodien angeht. Dies unterstreicht das teilweise tolle und melodische Gitarrenspiel von Gábor. Der Gitarrist und Sänger versteht es generell sehr gut, die schnellen Songs durch seine melodischen Soli aufzulockern. Auf „Existing Unreal“ wird eine coole Mixtur aus Härte, tollen Melodylines und Technik geboten und genügend Abwechslung wird mit dem durchaus grundsoliden und durchdachten Songmaterial auf jeden Fall geliefert. Die druckvolle und glasklare Produktion, für die Mario Jezik verantwortlich war, unterstreicht den äußerst positiven Eindruck, denn ich gewinnen konnte.

Leider muss ich an dieser Stelle den größten Schwachpunkt des ansonsten tollen Silberlings ansprechen. Dies ist das ständige, sehr tiefe Gegrowle von Gábor. Er hätte seine Stimme um einiges variabler einsetzen müssen und sollte zukünftig daran arbeiten. Bei nicht ganz so aufgeschlossenen Hörern könnte der Silberling, ganz schnell wieder, aus dem Player fliegen, was ein Jammer wäre. Ab und an unterstützt der Bassist Szabolcs stimmlich und versucht, durch seine cleanen Vocals („Shall They Learn War Anymore“), ein bisschen Variabilität in den Gesangsbereich mit einzubringen.

Nach einem kurzen Intro folgen mit „Null & Void“ und „Recognize“ zwei Nummern, die nicht erahnen lassen, dass es sich bei dem Album um ein starkes Release handelt. Die Songs sind zwar gut gespielt, aber einfach viel zu langweilig und durchschnittlich arrangiert. Anschließend wird man mit wirklich guten Material verwöhnt. „Prevailling Millions“ verzückt mit einer tollen Grundmelodie, einer derben Portion Härte/ Geschwindigkeit und einer technisch einwandfreien Gitarrenarbeit. Die fast gar nicht zu vernehmenden Keyboards passen perfekt zum Gesamtsound des Songs. Auch beim folgenden „Nothing Seen Within“ behält man diese Marschrichtung bei und erzielt wie auch schon beim Vorgänger das identische Resultat, sprich auch der Song ist eine tolle eingängige, abwechslungsreiche Nummer. Das, weiter oben, schon kurz erwähnte „Shall They Learn War Anymore“ ist ganz klar der beste Track des Longplayers und dürfte sich aufgrund des Wechselgesanges und der grandiosen Gitarrenarbeit/ Solo zu einem kleinen Hit mausern. Das schnelle „Millenary Venus“ setzt auf stakkato Gitarrenriffs und überrascht durch ein auflockerndes, melodiöses Solo im Mittelteil. Ein weiteres Highlight auf „Existing Unreal“ bieten uns SLYTRACT mit dem melodischen Kracher „My Mist“, bei dem der Ex- HYPOCRISY Gitarrist, Andreas Holma, die Jungs unterstützt. Mit „Behind The Closed“ knüpfen die Combo dort an, wo sie mit den beiden Knallern „Prevailling Millions“ und „Nothing Seen Within“ aufgehört haben, also wieder ein verdammt klasse Song, bei dem Eingängigkeit, tolle Gitarrenarbeit und eine gesunde Portion Härte im Mittelpunkt steht. Der Rausschmeisser „Nexus“ fällt, im direkten Vergleich zum restlichen Material (abgesehen von den ersten beiden Nummern) stark ab und ist mir zu uninspiriert und schlicht arrangiert.

Am Ende bleibt ein guter Gesamteindruck und alle Liebhaber derber, technischer Sounds, die aber auch über genügend Eingängigkeit und Melodie verfügen, sollten dem Album eine Chance geben und sich nicht von dem, etwas zu eindimensionalen, Gesang abschrecken lassen.

Mir gefällt der Zweitling von SLYTRACT verdammt gut und meine beiden Daumen zeigen ganz deutlich nach oben. Ich halte 8 fette Punkte für durchaus angemessen und jetzt muss ich meine Freundin wieder ins Wohnzimmer locken um sie anschließend, durch ein erneutes Abspielen von „Existing Unreal“ zu verjagen.
Götz

Slytract_Existing_Unreal Cover

Info

Band: Slytract
Album: Existing Unreal
Spielzeit: ??? min.
Plattenfirma: Noisehead Records
Veröffentlichung: 26.08.2011
Homepage:
www.myspace.com/slytract

Tracklist

1. Aura (Intro)
2. Null&Void
3. Recognize
4. Prevailing millions 5
. Nothing seen within
6. Shall they learn war anymore
7. Millenary venus Download Track
8. My mist
9. Behind the closed
10. Nexus

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