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Band: Skin Diary
Album: Skin Diary
Spielzeit: 46:29 min.
Plattenfirma/ Vertrieb: Artist Station Records/Soulfood
Homepage: www.skindiary.com
VÖ: 29.04.2011
Wertung: 8,5 von 10
Ich liebe Berlin! Unsere Hauptstadt hat schon immer eine immense Anziehungskraft auf mich ausgeübt. Der bunte Schmelztiegel aus unterschiedlichen Religionen/Kulturen/Sprachen etc. etc. etc. hat einen  musikalischen und faszinierenden kleinen, abgedrehten „Bastard“ ausgespuckt. Er ist rotzig, wild, verwirrend und ideenreich und hat sich in den Kopf gesetzt nun auch den Rest Deutschlands von sich zu begeistern.

Die Rede ist vom Berliner Quartett SKIN DIARY, welches schon seit 2004, in der Szene sein Unwesen treibt. Musikalisch bietet der Mulit-Kulti Haufen eine Mischung aus Pop, Swing, Alternative,Surf, Sixties, Punk, Jazz, Funk, Indie ,Advangarde und Progressive Rock. Dieses abgedrehte Gebräu wird sehr cool dargeboten und durch den phantastischen Gesangsstil von Jessica Jekyll zu einem dem Wahnsinn nahen Kunstwerk. Als Musikstil könnte man ihren frischen Sound die Bezeichnung KLAPPSMÜHLEN ROCK geben.

Das Debütalbum erschien ursprünglich im Sommer 2010 in Eigenregie. Endlich hat ein Label die Genialität der Truppe erkannt und macht den selbsbetitelten Erstling, einer breiteren Hörerschaft zugänglich. Dies wurde aber auch Zeit, denn es kann nicht angehen, das ein vor Schönheit und Abgedrehtheit sprühendes Werk einfach so untergeht und sich für eine 08/15 Kopiertruppe gleich ein Label findet.

SKIN DIARY besteht aus:
Sängerin Jessica Jekyll
Gitarristen Pierpaolo Luca
Bassisten Rene Flächsenhaar
und Schlagzeuger Puya Shoary

Das Album „Skin Diary“ bietet wirklich einen tollen, nicht alltäglichen Mix aus unterschiedlichen Stilen. Mich erinnert das Quartett ein bisschen an MIKE PATTON's MR. BUNGLE oder auch PRIMUS. Sie packen sehr viele Ideen in das Material ohne die Songs zu überladen und schaffen dadurch ein durchaus angenehm hörbares und abwechslungsreiches Album. Die Band beherrscht ihre Instrumente und sorgt für so manche Überraschungsmomente. Seien es mal Hard Rock Riffs ganz im Stile der australischen Vorzeigeband, auch mal ein tribales Percussion, oder ein Gitarrenspiel ganz in der Art eines CARLOS SANTANA's. Im Mittelpunkt steht der Gesang von Jessica, die wirklich einfach ein brutalst breites Klangspektrum ihr Eigen nennt. Sie vereint alle positiven Momente von TORI AMOS, DEBORAH HARRY (BLONDIE) und SUSAN JANET BALLION (SIOUXSIE AND THE BANSHEES) in ihrer Stimme. Mal trällert sie sich naiv, fast schon kindlich durch einen Song und das andere Mal growlt sie in bester Death Metal Manier ins Mikro.

Gleich der basslastige Eröffnungstrack „Right Elbow“ beweist wie abgedreht der Vierer zu Werke geht. Frau Jekyll klingt einfach nur so, als ob sie gleich eingewiesen wird. Sehr schwer zu verdauen. Ein ganz anderes Kaliber bietet „American Caste“ der durch eine treibende und abwechslungsreiche Rhythmusarbeit lebt. Es wird hart gerockt und orientalische Einsprengsel lockern den Song angenehm auf. Die Idee gefällt mir sehr gut und auch der Gesang kommt gut zur Geltung. Richtig eingängig und unbeschwert geht „One Of A Kind“ leicht ins Ohr. Mit der Mischung aus Funk und Rock treffen SKIN DIARY genau meinen Nerv und liefern einen kleinen Ohrwurm. BJÖRK meets TORI AMOS wird auf „Coup De Grace“ geboten. Die Grundstimmung ist recht düster gehalten und die Band agiert dementsprechend mit einem schleppenden Rhythmus und nimmt  im weiteren Verlauf des Songs ein bisschen an Geschwindigkeit zu. Dagegen kommt „Brother In My Belly“ am Anfang unbekümmert und leicht rüber, was sich schlagartig ändert und zu einem fiesen Track entwickelt, bei dem sich harsche Vocals mit engelsgleichem Gesang abwechselt. Passt sehr gut zum inhaltlichen Thema des Songs. Den Überhammer liefern SKIN DIARY mit dem BLONDIE Cover „Heart Of Glass“ ab. Sie haben den Song so umarrangiert, dass er wie eine eigene Nummer klingt. Sehr geil und lebt natürlich von Frau Jekyll's Gesang (?!). Zum Verlieben ist ihr Gesang bei „Cocoonin“. Der Song besteht im Grunde nur aus ihrer Stimme, einem stark von Santana beeinflusstem Gitarrenspiel und einem tribalen Percussion.

Trackliste:

Right Elbow
American Caste
One Of A Kind
Coup De Grace
Brother In My Belly
Too Late
Busy Body
Heart Of Glass
Poppy – Seed Cake
Shameless Mrs Amos
Cocoonin

Wer gerne mal über den Tellerrand hinaus schaut und auch abgedrehtem Material etwas abgewinnen kann, muss hier unbedingt zugreifen. In meinen Ohren hat das Quartett einfach alles, was eine coole Band ausmacht. Witz, Talent und Wahnsinn werden in einen Topf geschmissen, mal kräftig umgerührt und heraus kommt eine der besten Newcomerveröffentlichungen aus Deutschland.

Ende letzten Jahres haben SKIN DIARY ein Unplugged Album veröffentlicht, welches man kostenlos auf ihrer Bandcamp Site downloaden kann (http://skindiary.bandcamp.com/album/skin-diary-unplugged-free-x-mas-download). Eine sehr löbliche Aktion. Zum Probehören eignet sich das Album jedoch nur bedingt, da alle Songs umarrangiert und in einem komplett anderen Klanggewand vorgetragen wurden.

Hört in das Album rein, lasst euch begeistern und um GOTTESWILLEN kauft dieses Album!
Von mir gibt es starke, verdrehte und wahnsinnige 8,5 Punkte für ein tolles Debüt.
Götz
 

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