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Die Band Sinbreed hat mit ihrem Debütalbum „When Worlds Collide“ ein wirklich starkes Album im Gepäck. Es kommt nicht oft vor dass einem Redakteur ein Interview direkt angeboten wird. Gefreut hat es mich umso mehr! Denn auch ich war vom Album, welches ich ja an anderer Stelle hier auch rezensiert habe, begeistert.

Es ergab sich durch die relative Nähe der Wohnorte von mir bzw. dem Gitarristen und Kopf der Band Flo Laurin sogar die Möglichkeit ein persönliches Interview zu machen. Dieses fand an einem (noch) schönen sonnigen Abend in Wiesbaden statt.

Lest selbst was an diesem Abend alles passierte und was Flo, teils sehr ausführlich, zum Album, zur aktuellen Musikmarkt Situation und zur Zukunft der Band sagte.

Zur Situation, der Redakteur kommt mit dem Zug am Bahnhof an, trifft dort den Musiker und zusammen geht es dann zum Ort des Interviews dem Biergarten des Wiesbadener Schlachthofes (dem Kultschuppen wenn es um Rockkonzerte in Wiesbaden geht). Dort entdecken beide dass sie leidenschaftliche Weizenbier Trinker sind und bestellen sich ergo zwei kühle Hopfengetränke.

Eine bessere Interviewsituation kann mich sich doch nicht vorstellen :)

J.P: Hallo Flo, erzähl mir und den Lesern doch mal etwas zur Entstehungsgeschichte und zum Hintergrund eures Debüts „When Worlds Collide“

F.L:. Das Ganze ging schon in den 90er Jahren los und wurde also von langer Hand von mir geplant. Die Songs die aktuell auf dem Album zu finden sind, stammen auch größtenteils aus dieser Zeit. Damals als ich diese vorproduziert hatte, hatte ich aber bereits Herbie Langhans als Wunschkandidaten für den Gesangsposten im Kopf. Diesen hatte ich damals als junger Hüpfer mit 15 Jahren auf einem Festival mit seiner Band SEVENTH AVENUE gehört und da war mir klar „Dieser und kein Anderer muss deine Songs singen“. 2005 stellte ich dann den Kontakt zu Herbie her und er war sofort von den Songs begeistert und sang sie ein. Da ich zu dem Zeitpunkt auch noch keinen Bassisten und Schlagzeuger hatte, machte ich mich also auf die Suche. Frederick Ehmke kannte ich bereits, da er in dem gleichen Ort aufgewachsen war. Nachdem er den Job bei BLIND GUARDIAN bekam, wurde es höchste Zeit mit ihm in Kontakt zu treten. Dies tat ich und das Material überzeugte auch ihn sofort. Mittlerweile stehen wir ständig in Kontakt und unternehmen auch privat so einiges. Bassist Alex kannte ich auch bereits, da er auch hier aus der Umgebung kommt. Somit hatte ich alle zusammen und die Sache konnte so richtig losgehen.

J.P: Erzähl doch mal ein bisschen was über euer Label. Ulterium Records ist ja nicht jedermann ein Begriff. Warum habt ihr nicht z.B. bei einem großen bekannten deutschen Label unterschrieben?

F.L: Ulterium Records kam eigentlich auf uns zu, nachdem sie unser Demo gehört hatten. Es ist ja nicht immer alltäglich das ein Label auf die Band zukommt. Sie waren sehr angetan von unseren Songs und haben uns dann nach langen Verhandlungen auch ein wirklich gutes Angebot gemacht. Uns war vor allem wichtig dass das Ganze ein Angebot ist, was auch langfristig interessant ist. D.h. das nicht alles nach einem Album wieder beendet ist. Natürlich muss für ein zweites Album alles passen, aber wir zielen schon auf eine längerfristige Kooperation ab. Ebenfalls war uns wichtig dass das Label gute Kontakte zum japanischen Markt hat, da dort momentan einfach der Metal Markt sehr sehr groß ist. Unser Album ist dort bereits erschienen und verkauft sich da recht ordentlich. (Anmerkung des Redakteurs, SINBREED haben dort so alte Hasen wie GAMMA RAY in den Verkaufscharts hinter sich gelassen)

J.P: Ihr habt einige musikalische Gäste an Bord. Bring doch mal ein wenig Licht ins Dunkel. Mit wem haben wir es hier zu tun?

F.L: Zu nennen sind unter anderem der Sänger Thomas Rettke von HEAVENS GATE. Diesen habe ich ähnlich wie Herbie singen gehört und fand ihn einfach so klasse dass ich ihn als Gastsänger haben musste. Er passt auch von der Tonlage her sehr gut zu Herbie. Er hat den notwendigen Druck um mit ihm zu konkurrieren :-) . Beim Song „Room101“ hat er z.B. ein Duett mit Herbie gesungen. Als weitere Gäste sind noch Keyboarder Morten Sandagar von PRETTY MAIDS, den ich auf einer Tour kennen gelernt habe und Keyboarder Joost van den Broek von AFTER FOREVER zu nennen. Ich hoffe ich habe jetzt keinen vergessen.

J.P: Was sind denn so musikalisch die Einflüsse auf dem Album? Von was hast du dich beeinflussen lassen? Du hast ja bestimmt einen ebenso großen Plattenschrank daheim wie ich.

F.L:. Ja der Plattenschrank ist wirklich sehr groß :-) . Das kann man aber recht schwer beantworten. Natürlich lasse ich mich von vielen Sachen beeinflussen. Beim Gitarrenspiel ist YNGWIE MALMSTEEN zu nennen. Wenn es um die Songstruktur und die Art zu Schreiben geht sind JUDAS PRIEST und VICIOUS RUMORS zu nennen. Ich bin da aber sehr vorsichtig, da ich auch keinen Metalsong wirklich nachspielen kann. Natürlich hatte ich auch Gitarrenstunden und hatte ein gewisses Rüstzeug, aber meine Musik sollte nicht unbedingt klingen wie Band X oder Y. Ich wollte ganz eigen klingen. Das ist zwar gefährlich, aber man sieht ja anhand der guten Bewertungen für das Album dass es ganz gut geklappt hat.

J.P: Was ist denn das besondere an der Herausforderung Debütalbum? Wie war das für dich?

F.L: Nun das Ganze war eine Now or Never Aktion. Es war ja alles lange geplant und die Songs haben ja teilweise wirklich 10 Jahre auf den Buckel. Alles war also genau durchdacht und geplant, nicht umsonst hat alles so lange gedauert. Die Songs sollten alle keine epischen 8 Minuten Ausmaße haben, sondern voll auf die Zwölf gehen. Eine Ballade kann ich machen wenn ich 40 bin :-) . Das Schwierigste war aber, hiermit den langersehnten Plattenvertrag zu bekommen. Dementsprechend aufwendig war unsere Vorproduktion, mit der wir dann auch den Deal bekommen haben. Heutzutage kann man es vergessen ein Demo zu Hause zu produzieren. Da braucht man einfach was Ordentliches. Nicht Kleckern sondern Klotzen hieß die Devise.

 

Zwischenanmerkung. Das Interview wurde hier kurz unterbrochen, da der hungrige Flo erstmal Brezel mit Spundekäs (wer nicht weiß was das ist, einfach mal googeln, eine spezielle Köstlichkeit im Rhein/Main Gebiet) essen musste. Ich musste mir leider ein neues Weizen bestellen, da der immer wieder aufkommende starke Wind mein Glas umgeweht hatte und der gute Gerstensaft dahin war. Es bahnte sich ein Unwetter an, was uns aber nicht viel ausmachte. Wir setzten das Interview in Ruhe fort. Während des Essens wurde natürlich fleißig weiter gefachsimpelt. Frisch gestärkt ging es dann weiter.

 

J.P: Mal eine Frage zum Song „Salvation“. Dieser sticht ein wenig von dem Rest heraus, nennen wir es mal so, er ist ein wenig epischer. Absicht? Zum Zweiten, anscheinend sollte dies ja mal die Bandhymmne werden da dort sehr oft euer alter Bandname NEOSHINE vorkommt. Diesen musstet ihr ja aufgrund einer rechtlichen Geschichte ändern. Liege ich da richtig, erzähle uns doch mal ein wenig etwas über den Song.

F.L: Du hast Recht der Song hat einen gewissen „Bandhymmnencharakter“. Ich wollte den Text aber auch nicht wegen der Bandumbenennung ändern. Er ist gut so wie er ist. „Salvation“ tanzt ein wenig aus der Reihe. Es ist meiner Meinung nach, die progressivste  und auch längste Nummer. Es sollte ja auch vom konzeptionellen her einfach auch einen stylistisch etwas anderen Song geben und das ist halt „Salvation“.

J.P: Kommen wir mal zu den zwei Bandnamen. Warum NEOSHINE und warum habt ihr dann als neuen Namen SINBREED gewählt?

F.L: NEOSHINE klang nicht wirklich nach eine Power Metal Band, eher ein bisschen nach Modern oder Trash Metal. Von daher war ich damit nicht so ganz glücklich und die zwanghafte Umbenennung kam mir also auch ganz recht. SINBREED hat einfach auch etwas mit dem Konzept hinter den Songs bzw. der Band zu tun. Frei übersetzt heißt es ja „Entstehung der Sünde“. Wobei hier eher gemeint ist das man eine falsche Entscheidung trifft. Genau das spiegelt sich eigentlich auch in unseren Songs wieder und zieht sich wie ein roter Faden durch die Platte. Obwohl da „Room 101“, wenn man genau hinhört, ein wenig rausfällt. Dieser basiert nämlich auf einem Roman von George Orwell. Ich verarbeite eigentlich alles an Einflüssen in meinen Texten. Vom Roman über einen Film oder einfach frei aus dem Leben. Was nicht unbedingt etwas im Metal Bereich zu suchen hat, meiner Meinung nach, sind so persönliche Sachen. Über so etwas würde ich nicht unbedingt schreiben. Allerdings bin ich auch kein Anhänger der True Metal Fraktion. Das würde auch nicht zum Konzept oder dem Äußeren der Band passen.

J.P: Wie sieht denn die Zukunft von SINBREED aus? Mich als Fan interessiert natürlich auch ob es weitere Alben geben wird?

F.L: SINBREED haftet zwar, aufgrund der beteiligten Personen, schon ein wenig der Projektcharakter an. Wir verstehen uns aber schon als Band, mit der Einschränkung dass natürlich die Hauptbands von Frederik und Herbie Priorität haben. Ein zweites Album ist aber definitiv unser Wunsch und diesmal, nachdem ich diese Songs ja im Alleingang geschrieben haben, wollen wir zusammen an den neuen Stücken arbeiten und schreiben. Ideen sind bereits vorhanden. Jetzt wo wir ein Label haben kann man sich auch wirklich komplett auf die Musik konzentrieren. Ein eventuelles zweites Album wird es aber auch nur mit den jetzigen Bandmitgliedern geben. Da sind wir uns alle einig. Natürlich müssen auch die Verkaufszahlen stimmen. Das muss man leider heutzutage so sagen.

J.P: Sind denn auch schon Livegigs geplant oder eine Tour? Ich meine mit solchen Songs im Gepäck muss man doch darauf brennen diese live zu performen. Siehst du eine Schwierigkeit bei dem Thema wegen der „Bandkollisionen“?

F.L: Wir haben im letzten Jahr schon live gespielt und es hat wirklich tierisch Laune gemacht. Nach den langen Arbeiten an der Platte war es gut mal raus zu kommen und live zu spielen. Da hat es aber auch schon angefangen mit den terminlichen Problemen. Frederik hat z.B. extra die BLIND GUARDIAN Aufnahmen dafür unterbrochen. Es wird also definitiv live von uns was geben. Im diesem Jahr wird das allerdings wahrscheinlich nichts mehr werden da ja Frederik erstmal mit BG auf Welttournee geht. Ich denk im nächsten Frühjahr wird man uns bestimmt live sehen können.

J.P: Soweit erstmal alles Wichtige zur Scheibe. Ein, zwei allgemeine Fragen hätte ich da noch. Wie siehst du die aktuelle Musikwelt (Stichwort MP3s, CDs), was denkst du über MySpace und Co und über die illegale Download Problematik?

F.L: Also bei unserem Label Ulterium Records war es mir sehr wichtig das auch die LP erscheint. Das zeigt so ein bisschen das ich mir trotz meiner jungen Jahre (Anmerkung des Redakteurs, er selbst und der Künstler sind fast gleich alt und werden bald die 20iger verlassen :-) ) doch einiges an dem etwas vergessenen Medium LP liegt. Ähnlich geht es mir mit dem Medium CD. Ohne CD kein Album, nur MP3s kommen mir nicht ins Haus. Thema MySpace oder YouTube  Diese sind mittlerweile ja nicht mehr wegzudenken. Die Kontakte die man darüber knüpfen kann sind schon genial. Trotzdem gefällt mir das Ganze nicht sonderlich. Ich finde es zu anonym. Es ist ein notwendiges Übel meiner Meinung nach. Zum Thema illegale Downloads hätte ich eine kleine Anekdote die mir passiert ist. Es ist schon übel wenn man als Künstler eine Email bekommt wo dann drin steht wie toll doch das Album ist, das Album aber erst in 6 Wochen veröffentlich wird. Das ist schon hart zu sehen und zu hören! Eine Dreistigkeit sondergleichen.

J.P: Bei einer Band aus Deutschland, stellt sich mir die Frage nachdem Musikland Deutschland. Wie ist es deiner Meinung nach um den Metal in Deutschland bestellt?

F.L: Das Metalland Deutschland ist auf jeden Fall stabil. Wir haben viele große Festivals und Labels. Ganz zu schweigen von den ganzen guten Bands. Leider muss man sagen dass sich Deutschland momentan von dem eigentlichen Heavy und Power Metal, wo wir ja wirklich teilweise Vorreiter waren und sind, wegbewegt und immer mehr auf den Trash und Modern Zug aufspringt. Was ich schade finde. Ich finde es richtig geil wenn junge Kids einfach noch den guten alten Metal frönen und den gut finden. Teilweise muss man sich ja als Heavy oder Powermetal Musiker rechtfertigen wieso man denn diese Art von Musik macht und nichts Moderneres. Das finde ich sehr bedenklich. Ich muss mir als Beispiel bestimmt auch nicht vom einem 13 jährigen sagen lassen was ich denn für Schwuchtelmusik mache, nur weil unser Sänger hoch singt. Unser Sänger singt einfach genial. Das wäre die Antwort darauf! (Da kann der Redakteur nur voll zustimmen!)

J.P: Zum Schluss noch zwei private Fragen. Hast du außer der Musik andere Hobbys? Du als Musiker hast ja bestimmt auch Lieblingsbands?

F.L: Also bei anderen Hobbys ist absolute Fehlanzeige. Außer Musik gibt es da nichts. Da für  bleibt keine wirklich Zeit. Bei Lieblingsbands sind vor allem JUDAS PRIEST, VICIOUS RUMORS und GAMMA RAY zu nennen.

J.P: Ja Flo vielen Dank für deine Zeit und die sehr ausführliche Beantwortung der Fragen. Mir hat es großen Spaß gemacht. Es war eine sehr schöne Interviewatmosphäre in einer coolen Umgebung. Das Wetter verschlechtert sich gerade zunehmend, deswegen denke ich kommen wir mal zu den berühmten letzen Worten an die Leser.

F.L: Ich danke dir auf jeden Fall auch für deine Zeit und dieses Interview. Mein Dank geht ebenfalls an die Leser von Rockingboy.de. Vielleicht kommt ja auch ein bisschen Feedback zur Scheibe oder zu diesem Interview, gerne per Email über unsere Homepage www.sinbreed.com. Und natürlich lege ich jedem die Scheibe ans Herz. Hört einfach mal rein es lohnt sich!

Julian

 

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