|
M.R.:Hallo Mark (Fox, voc.), klasse, dass du so spät noch Zeit für mich gefunden hast. Bereits seit 18.05. ist euer neues Album in den Läden. Wie zufrieden seid ihr mit der Resonanz? Welche Reaktionen habt ihr bisher bekommen? M.F.:Klar nehme ich mir die Zeit! Also wir sind einfach überwältigt wie „Infected“ abgeht. Die Kritiken sind durchs Band hervorragend, wir sind in Deutschland in die Charts eingestiegen und in der Schweiz sogar in die Top 10, das heisst, Platz 7! Letzte Woche war’s dann Platz 14 und wie ich soeben mitgekriegt habe sind wir wieder rauf auf Platz 13! Wenn das kein gutes Zeichen ist. Wir sind also rundum happy mit dem Resultat und freuen uns auf viele geile Gigs in ganz Europa!
M.R.:Nach dem eher experimentellen und leicht düsteren „Fall“ (was wohl an der damaligen Situation gelegen hat) geht „Infected“ wieder stärker in Richtung „Power Ride“ oder „Rising“. Also etwas fröhlicher, weniger Experinmente, mehr typisch SHAKRA, also Heavy Riffs, straight nach vorne. Spiegelt das Album eure momentane Situation in der Band wieder?
M.F.:Ja da hast du voll ins Schwarze getroffen. Wie du schon erwähnst hatten wir eine ziemlich angespannte Situation zur „Fall“-Zeit, das widerspiegelt sich nicht nur im Songwriting sondern einfach im ganzen Album, sei dies in der Produktion oder auch im Artwork. Ich finde diese Zeit aber sehr wichtig in der Bandgeschichte denn schlussendlich hat sie uns so fest aneinandergeschweisst, dass wir in Zukunft keine derartigen Probleme mehr haben werden. Nach dem Release von „Fall“ waren wir dann auf Tour mit Strato und Hammerfall – da gab’s irgendeinen Punkt an dem die Wende kam. Ich glaube es hat jeder in der Band bemerkt, wie wichtig jeder einzelne ist und hat Fehler verzeihen können die halt passieren wenn man so intensiv zusammenarbeitet und schlussendlich auch im menschlichen Charakter liegen. Nach der Tour machten wir uns an die Arbeit ein neues Album aufzunehmen, voller Motivation und Enthusiasmus, als ob wir die Band eben erst gegründet hätten, es war eine richtige Freude, die du vom ersten bis zum letzten Ton von „Infected“ hörst. Wir sind alle sehr guter Dinge wie es jetzt läuft und so macht es Spass und Sinn optimistisch in die Zukunft zu blicken, in freudiger Erwartung der Dinge die da kommen mögen!
M.R.:Bei „Fall“ habt ihr doch ein etwas polarisierendes Video zu „Chains Of Temptation“ gedreht. Nun ist es mit einem doch eher klassischen Video und dem Lovesong „Love Will Find A Way“ etwas , ich möchte es mal gediegener nennen, geworden. War das ein bewusster Schritt oder wolltet ihr den Schweizer Kollegen GOTTHARD auch in Sachen Balladen die Butter vom Brot nehmen? M.F.:Ich denke nicht an solche Dinge wenn ich Drehbücher schreibe. Es muss einfach zum Song passen und die Message und die Gefühle transportieren können. Das ist mir das wichtigste. Es wäre ziemlich reizlos gewesen, den Clip von Chains Of Temptation abzuschwächen oder einfach nur die Band zu zeigen wie sie den Song performt. In dem Song geht es nun mal um das Thema Drogen und ich wollte wirklich abschrecken damit. Europaweit wird heutzutage den Schülern der Film „Wir Kinder von Bahnhof Zoo“ gezeigt um sie aufzuwecken, schade dass viele Menschen nicht kapiert haben dass unser Clip eigentlich genau dasselbe tut. Aber was soll’s, ich persönlich bin sehr stolz, dass wir mit praktisch keinem Budget solche Clips hinkriegen. Dasselbe bei’Love Will Find A Way“. Es ist halt eine Ballade und ich wollte schöne Bilder zeigen, romantisch und doch herzzerreissend. (Eigentlich wären da noch einige Szenen mehr dazugekommen, aber die mussten leider dem Finanzhammer zum Opfer fallen). Ich mag keine Videos denen man ansieht dass im Plattenvertrag drinsteht „ihr müsst ein Video haben, egal was für eins“. Solche sieht man heutzutage nur all zu oft. Ich betrachte ein Videoclip als ein kleines Kunstwerk und so sollte es auch behandelt werden. Daher werde ich mir auch in Zukunft die Freiheit nehmen zu machen was wir wollen. Und die Sache mit dem Berg... Wir sind keine Konkurrenten und ich finde eigentlich nicht dass wir ähnliche Wege einschlagen. Die alte Leier eben ;-)
M.R.:Ist songwritingtechnisch und Lyricsmäßig alles beim alten geblieben, also Thomas Muster die Songs und du die Lyrics oder gab es Überraschungen? Leider steht so was nie auf den Promos, hehe. M.F.:Im Grossen und Ganzen ist es so geblieben wie du sagst aber auch Thom hat wieder zwei Songs beigesteuert die einfach nur reinhauen und die Scheibe noch richtig veredeln, The One und Inferno. Ich denke auch dass sich das in Zukunft wieder ein bisschen mehr auf beide Gitarristen aufteilen wird. M.R.:Wie läuft das bei SHAKRA denn so genau ab? Bringt Thomas die geschriebenen Songs auf einer kurzen Demo aufgenommen in den Proberaum vorbei und ihr arrangiert zusammen den Rest? Schickt er MP3s durch die Gegend? Sind die Songs dann bereits fast fertig oder wird noch viel zusammen probiert? M.F.:Das ist immer ein bisschen unterschiedlich. Manchmal schickt Thomas ne MP3 von der aus ich dann die Melodie entwickle, oder wir treffen uns zu dritt, also die beiden Gitarrenhelden und ich, im Proberaum und arbeiten an teils schon vorhandenen Melodien oder erfinden neue. Bevor wir die Songs aber fertig mit der Band arrangieren wählen wir dann aus diesen kurzen Demos die besten Songs aus, die, die dann aufs Album kommen.
M.R.:Ich habe gehört, ihr hattet diesmal auch die Qual der Wahl und aus fast über 60 Songs jene 13 ausgewählt, die es nun auf das Album geschafft hatten. Wer hatte da das letzte Wort? Gibt es den Rest vielleicht auch mal als Bonus für die Fans als MP3 zum downloaden? Ihr habt im eigenen Powerride Studio doch bestimmt noch den einen oder anderen fertig aufgenommen.
M.F.:Ja, Thomas war wiedermal sehr kreativ! Wir sind eigentlich meistens einer Meinung was die Songauswahl betrifft, das macht das ganze ziemlich unkompliziert. Also einen Track gibt’s in Japan als Bonus, einen anderen hier in Europa und einen, den werden wir nicht veröffentlichen, der gehört nur uns allein grins M.R.:Livetechnisch freue ich mich schon auf das Angeldays Festival, bei dem ich definitiv anwesend sein werde. Habt ihr schon weitere Überlegungen getroffen? Oder wartet ihr erstmal die Sommerfestivals ab?
M.F.:Wir freuen uns extrem die Bretter zu entern! Wir spielen viele Festivals im Sommer und werden dann auch die Clubs bedienen, dies aber eher im Herbst. Zudem planen wir eine Europatour zu machen, ebenfalls im Herbst, aber da gibt es bis jetzt noch nichts Spruchreifes. Sobald aber was konkret ist, kriegt ihr alle Infos auf www.shakra.ch
M.R.:Ihr wart ja zusammen mit HAMMERFALL und STRATOVARIUS in über 12 Ländern unterwegs. Wie war es denn? Gab es besonders lustige Anekdoten? M.F.:Wie du dir vorstellen kannst ist da so einiges passiert auf Tour, witziges und weniger witziges. Weniger lustig war es für uns, als wir die Tour kurz aussetzten mussten als unser Tourbus, übrigens so ne grüne Gurke, ich glaube das war so ein umgebauter Bus von der Bundeswehr, mitten in der Pampa nach Madrid den Geist aufgab und wir in einem Hundertseelendorf landeten. Da es auch noch gerade Wochenende war beschlossen wir dann mit dem Bus nach Madrid zurückzufahren um den nächsten Vogel gen Heimat zu chartern. Glücklicherweise kam die Tour dann noch in dieser Woche in der Schweiz vorbei – und siehe da, sogar unsere Gurke war wieder einsatzbereit. Ein interessantes Gefühl war es auch am letzten Gig der Tour als die Stratos und Hammerfalls uns kleine Streiche gespielt haben. So kam es dass du auf eine Bühne trittst, mit der festen Absicht den Leuten deinen Rock n’ Roll direkt in die Birne zu knallen, und das ganze Publikum ist am grinsen. Also gibst du alles was du hast aber die hören einfach nicht auf... Klar – die Spassvögel haben unser Backdrop verunstaltet, da hiess es plötzlich Shakira. Wenn man’s dann mal gesehen hat kann man dann auch wieder aufatmen – „nein, sie lachen uns nicht aus, sie lachen uns an“. Es gibt noch viele nette Stories aber das würde hier wahrscheinlich den Rahmen sprengen und ich will doch schliesslich mal ein Buch schreiben ;-)
M.R.:Habt ihr eigentlich noch Kontakt zu ehemaligen Bandmitgliedern wie Roger Badertscher oder Pete Wiedmer? Anscheinend geht es ihm gesundheitlich wieder besser und er soll Gerüchten zu Folge auch wieder als Sänger aktiv sein. Das soll aber auf keinen Fall ein Ruf nach Pete zu Shakra sein. Nicht das wir uns falsch verstehen.
M.F.:Wir haben ab und zu Kontakt mit den Jungs, Pete war letztlich am ersten Konzert dass wir nach der langen Studiopause hatten und es geht ihm wieder besser. Auch musikalisch soll sich da wieder was tun, aber mehr weiss ich leider auch nicht. Roger Badertscher hab ich erst einmal getroffen, scheint aber ein netter Kerl zu sein.
M.R.:Du hast außer SHAKRA auch noch ein anderes Baby namens „Fuchs“. Was kann man sich darunter vorstellen?
M.F.:Das sind eher ruhige Songs in denen ich mich sehr persönlich ausdrücke. Man könnte es vielleicht ein musikalisches Tagebuch nennen. Da es in meiner Muttersprache „Schwyzerdütsch“ gesungen ist, kann ich mich halt auch noch ein bisschen besser und exakter ausdrücken als in Englisch. All in all, einfach eine andere Seite meiner Person derer kreativer Output einfach raus muss. Vielen Dank für die das gute Interview, waren Interessante fragen!
Auch wir haben zu danken. So konnten wir doch ein paar Neuigkeiten aus der schönen Schweiz bekommen. Und wie gesagt, streicht euch zumindest das Angeldays Festival in Aalen dick an. Nicht nur, dass absolut coole Bands dort auftreten, es ist auch noch für einen guten Zweck. (Achtung: wurde abgesagt!)
|