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Wertung: 9 von 10

Nicht mehr lang und schon bald lassen wir ein weiteres, ereignisreiches Jahr hinter uns. Der Rockobsesisonado hat sich schon Gedanken machen müssen, wie er es schaffen könnte, nur einen Bruchteil der superben Veröffentlichungen sein eigen nennen zu können, ohne die Grenze der Legalität zu überschreiten. Zu groß war die Flut an qualitativ hochwertigen Outputs/ Bands. Für mich gibt es wohl so um die 50 Scheiben, welche ich persönlich für unentbehrlich halte und jetzt hat sich eine weitere, sehr talentierte Band, mit ihrem aktuellen Album, in das obere drittel meiner Liste gedrängt. Die schwedischen MOTERHLODE sind schon alte Hasen im Biz, denen der Durchbruch, aufgrund mehrerer Umstände, verwehrt blieb. Ob das neue Studioalbum „Tomorrow Never Comes“ etwas daran ändern kann, wird sich in den nächsten Wochen/ Monaten zeigen. Das Zeugs dazu hat der frische, freche und moderne Silberling auf jeden Fall! Die Band, um den Frontmann Sonny Larsson, bietet eine astreine Mischung aus Sleaze, Blues- und Classic Rock mit einer gehörigen Schlagseite in Richtung Moderne. Durch diese Komponenten ist ein Album entstanden, welches schwer zu beschreiben ist. Bei manchen Hörern wird es Unverständnis hervorrufen und aufgrund der leicht düsteren Grundstimmung nicht jedermanns Geschmacksnerven treffen. Für mich ist es definitiv eine der besten Releases des Jahres.

Entstanden ist das in Orebro beheimatete Quintett im Jahr 1982 und ging aus der Asche der beiden Bands PROXIMITY und LIZARD hervor. Im Jahr 1983 spielten sich MOTERHLODE den Arsch, auf den Bühnen der Clubs, ab und nur ein Jahr später veröffentlichten sie bereits ihr erstes Demo. Es folgte ihr erster Beitrag für eine Compilation – SWEDISH METAL, auf dem sie mit den Songs „Moving Emotions“ und „Father Of Lies“ vertreten waren. 1985 nahm die Band an den Arbeiten an den Swedish Metal Aid – Sampler teil. Bei den Aufnahmen zu ihrem Debütalbum „The Sanctuary“ bekam die Band prominente Unterstützung durch den MAGNUM Keyboarder Mark Stanway, der auf allen Songs des Silberlings zu hören ist. Produziert wurde das 1986 erschienene Album von Kit Woolven (u.a. THIN LIZZY, MAGNUM). Zur selben Zeit kam es zu den ersten Differenzen innerhalb der Band, was zur Folge hatte, dass Martin Hedberg den bisherigen Schlagzeuger, Bengt Eriksson, ersetzte. Es folgte eine gemeinsame Tour mit MAGNUM und eine weitere Vielzahl von Live – Aktivitäten. Nach mehreren Querelen entschloss sich der Fünfer, im Jahr 1989, die Band auf Eis zu legen.1999 reformierte sich die Combo und absolvierte mehrere Gigs und veröffentlichte weitere Samplerbeiträge. U.a. lieferten sie Songs für dem Phil Lynott Sampler 2001 („Killer Without A Cause“) und dem Grand Funk Railroad Tribut 2000 („People Let's Stop The War“). Ab 2001 begab sich die Band an die Arbeiten zum lang erwarteten Nachfolger des Debüts. Erst 2010 waren die Arbeiten abgeschlossen und „Tomorrow Never Comes“ erschien im selben Jahr. Dank YESTERROCK kommen wir nun auch in den Genuss des tollen Albums.

Von der Originalformation sind nur noch Sänger Sonny Larsson und Gitarrist Tom Nilsson übrig.
Des weiteren wird die Combo durch folgende Mitmusiker komplettiert:
Johan Evertsson – Bass
Fredrik Beckmann – Keyboard
Pär Hjulström – Schlagzeug

Gleich das wirklich ansprechende Coverartwork hinterlässt einen positiven Eindruck bei mir, was natürlich mal NULL über die musikalischen Qualitäten aussagt, ich aber trotzdem erwähnenswert finde. Der Fünfer lässt sich nur ganz schwer in eine Stilschublade einordnen. Dazu gehen sie viel zu abwechslungsreich und clever ans Werk. Grundsätzlich ist die Band stark vom '70er Jahre Classic (Hard) Rock beeinflusst, den man aus vielen Songs heraushören kann. Garniert wird das ganze mal mit einer kräftigen Portion Blues Rock oder auch rotzigen Sleaze. Und damit könnten MOTHERLODE schon für einige verwirrten Gesichtsausdrücke bei der Hörerschaft sorgen, denn man merkt dem Material an, dass es über einen längeren Zeitraum entstanden ist und der roten Faden dadurch nicht immer gegeben ist. Für manche Zuhörer könnten die häufig wechselnden musikalischen Ausrichtungen der Songs zu gezwungen, zerfahren und unpassend klingen. Wenn man aber ein bisschen tiefer in das Album eintaucht, zerschlagen sich diese Punkte in Nu! Kompositorisch sind alle 13 Tracks auf einem ganz hohen Niveau anzusiedeln. Feine Melodien, ausgeklügelte Refrains, das richtige Gespür für anspruchsvolle Songarrangements und so mancher überraschender Ausflug in Richtung KING's X Songstrukturen wird auf dem Zweitling der Schweden geboten. Die Instrumentalisten sind bestens aufeinander eingespielt und liefern eine einwandfreie Gesamtleistung. Nilsson zeigt sich sehr '70er Jahre beeinflusst und sein Spiel wirkt herrlich frisch. Besonders stark sind seine funkigen Soli's. Keyboarder Beckmann steht auch auf Classic Rock und jedesmal, wenn die Hammond Orgel ertönt, fühlt man sich 40 Jahre zurückversetzt. Beide Musiker bilden ein tolles Gespann. Die Rhythmussektion Evertsson und Hjulström zimmert einen lückenlosen Soundteppich und nutzt diesen aus, um aus den Schatten von Beckmann und Nilsson zu treten. Sie beweisen dem Zuhörer, dass sie einiges mehr zu bieten haben und begeistern durch ihre Vielseitigkeit. Besonders Hjulström's variables Drumming weiß zu begeistern. Larsson's hoher und warmer Gesang passt einfach perfekt zum Sound und verfügt über einen wahnsinnig hohen Wiedererkennungswert.

Der Opener „Predators“ kommt einen Faustschlag in die Magengrube gleich. Der eingängige, leicht sleazige Rocker ist der ideale Starter und erinnert mich ein bisschen an HANOI ROCKS oder auch AEROSMITH. Mit einer Mischung aus modernen Rock und leicht komplexen Songstrukturen begeistert der Titeltrack auf ganzer Linie. Der Schlagzeuger haut mich komplett vom Hocker. Hjulström zeigt sich von seiner variablen Seite. Die Backings sind perfekt eingesetzt, Sonny's einprägsames Organ frisst sich, wie eine Kreissäge im Trommelfell fest und der treibende Rhythmus machen „Tomorrow Never Comes“ zu einem der stärksten Nummern auf dem Album. „Crying“ ist ein wunderschöner, leicht düsterer Song, welcher mich vom Refrain und Songaufbau ein wenig an KING's X erinnert. „Bring Me Down“ verfügt über einen funkigen Unterton und rockt in bester '70er Jahre Rock Manier, wobei auch hier die vorher schon genannten AEROSMITH Pate standen. Das folgende „Promises“ geht in die selbe Richtung (ohne Funk-Anteil) und besitzt einige einprägsame, fast schon poppige Refrains und Backing Chöre, die mir sehr gut gefallen. Dann kommt mit der Über-Nummer „Icecream Man“ das absolute Highlight. Ein locker, flockiger Anfang, mit einem leicht psychedelischem Einschlag, wird durch einem sehr rockenden und vertrackten Teppich ergänzt. Dadurch wächst die Nummer von Minute zu Minute und am Ende lässt sie einen staunenden Zuhörer zurück. KLASSE! Es wird bedrückender. Der schwerfällige Rocker „Crawling Through The Dessert“ verursacht gleich zu beginn eine Gänsehaut. Beckmann spielt beängstigend düster, Sonny's Gesang ist der Verzweiflung nah und die restlichen Musiker liefern eine phantstissche Leistung an ihren Instrumenten. Puh, einfach wunderschön und gleichzeitig beklemmend. Der zehnte Track „Why We Bleed“ zeigt sich deutlich gradliniger und rockt einfach nur nach vorne und bildet dadurch ein erfrischendes Kontrastprogramm zu den meisten Songs auf „Tomorrow Never Comes“.

Das waren nur einige Highlights des wirklich super abwechslungsreichen Silberlings.

Für mich haben MOTHERLODE ein phantastisches Scheibchen rausgebrettert, welches das enorme Potential der Band widerspiegelt. Das Album gehört in jeder Sammlung eines aufgeschlossenen Rockfanatikers und wird sich mit Sicherheit zu einem Dauerbrenner mausern.

Mich hat die Gesamtleistung absolut überzeugt und ich werfe 9 starke Punkte auf meinen Rockhimmel.
Götz

Motherlode_cover

Info

Band: Motherlode
Album: Tomorrow Never Comes
Spielzeit: 54:22 min.
Plattenfirma: Yesterrock
Veröffentlichung: 21.10.2011
Homepage: www.motherlode.se

Tracklist

Predators
Tomorrow Never Comes
Crying
Bring Me Down
Promises
Icecream Man
Crawling Through The Desert
I Don´t Know
Won´t Find Me Beggin´
Why We Bleed
Eaten By The Pigs
Wild Dogs
You

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