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Wertung: 10 von 10

Völlige Begeisterung lässt mich orientierungslos und benommen durch meine Wohnung taumeln. Das Gefühl der Unwirklichkeit breitet sich immer weiter in mir aus und ich fühle mich wie vor ca. 22 Jahren. Auch damals hatte ich dieses Gefühl und wurde durch das Hören von 2 Bands hervorgerufen. Es waren das Debütalbum von DREAM THEATER „When Dream And Day Unite“ und „Perfect Symmetry“ von FATES WARNING, die mich in ein, mir bis dahin komplett unbekannten Gefühlsuniversum katapultierten. Das Label InsideOut Music hat es geschafft, genau diesen schon längst vergessenen, glückseligen Moment wieder zu erwecken, indem sie das Album „Bilateral“ der Norweger LEPROUS veröffentlichen. Das Label konnte schon einen sehr guten Anhaltspunkt dafür geben, welche musikalische Ausrichtung sich die Skandinavier auf die Fahnen schreiben, jedoch ist es mit der Stilbezeichnung Progressive Metal noch lange nicht getan. Die Band verbindet '70er Jahre Progressive Rock mit Heavy Metal, Hardrock, Avantgarde, Psychedelic Rock, Black Metal und Alternative Rock. Dieser eigenwilligen Mischung ist es zu verdanken, dass wir mit „Bilateral“ eines der besten Prog Metal Alben, der letzten 5 Jahre vorliegen haben.

Schon das wunderschöne und psychedelische Artwork lässt vermuten, dass es sich bei LEPROUS nicht um eine alltägliche Band handelt. Bei dem vorliegendem Silberling handelt es sich um die dritte Veröffentlichung der Band. 2006 erschien das Debütalbum „Aeolia“ und 2009 folgte „Tall Poppy Syndrome“. In der Vergangenheit agierten die Norweger als Backingband ihres Landsmannes Ihsahn (Ex-EMPEROR) und teilten sich die Bühnenbretter mit Acts wie OPETH, PAGAN'S MIND und THERION. Ihsahn ist es auch, der die Band, beim Song „Thorns“, stimmlich unterstützt.

Das Quintett besteht aus den Musikern:
Einar Solberg - Gesang/ Synthesizer
Tor Oddmund Suhrke - Gitarre
Øystein Landsverk - Gitarre
Rein Blomquist - Bass
Tobias Ørnes Andersen - Schlagzeug

Der dritte Output der fünf Norweger entpuppt sich als eine sensationelle Wundertüte, die an Genialität nicht mehr zu überbieten ist. „Bilateral“ ist vollgestopft mit grandiosen Elementen bzw. Ideen und die Jungs interessiert es überhaupt nicht, ob diese in das allgemeine Erscheinungsbild des Progressive Metal passt. Egal ob es mal Blastbeats, Epos, Jazz, New Metal Elemente, Trompetenklänge, wunderschöne Keyboard/ Klaviertöne sind, oder sie auch wie eine Mischung aus PINK FLOYD und KING CRIMSON klingen, alles hat Hand und Fuß, nichts klingt aufgesetzt oder gar überladen, sondern einfach nur druckvoll, heavy und entfacht sofort, ein noch nie dagewesenes Feuerwerk im Gehörgang des Hörers. Über die musikalischen Fertigkeiten brauche ich nicht weiter einzugehen, da sich diese auf einem allerhöchsten Niveau bewegen. Das intelligente Songwriting, macht jeden einzelnen Song zu einer unverwechselbaren Perle, die vor Abwechslung und Spannung nicht mehr zu überbieten ist. Auch die beiden überlangen Kracher „Forced Entry“ und „Painful Detour“(erster Song überschreitet die 10 Minuten und der Rausschmeißer bringt es auf über 8 Minuten Spielzeit) sind einfach klasse arrangiert und der Hörer wird auf eine Rundreise in die progressive Musikwelt eingeladen. Das Material ist einfach nur verdammt stark und wird durch die Stimme des Sangeskünstlers Einar Solberg veredelt. Man kann ihm auf jeden Fall attestieren, dass er zu den stimmgewaltigsten und variantenreichsten Sängern des Metalkosmos gehört. Dabei setzt er seine Kopfstimme, Gekreische, Growls, Sprechgesang und seine kräftige, klare Stimme ein. Durch seine unkonventionelle Art zu singen, kommt es mir teilweise sogar so vor, dass er den weiteren Verlauf der Songs dirigiert und die Band sich nach seinen Vorgaben richtet. Eine wirklich sehr ungewöhnliche und phantastische Vorgehensweise, welche die gesamte Band mit Bravour löst.

Der Opener „Bilateral“ ist eine melodiöse, progressive Metal Nummer, die mit fortschreitender Laufzeit, durch eine immense Abwechslung, begeistert. Der komplette Song wirkt, trotz der Vielseitigkeit, extrem kompakt und verliert sich nicht in uninspirierten Passagen. Tobias Ørnes Andersen liefert auf dem Miniepos „Forced Entry, eine bemerkenswerte Leistung ab. Er agiert verdammt kreativ und an manchen Stellen frage ich mich, wie er dieses Drumming hinbekommt. Ich glaube, dass ich noch nie so ein tolles, variantenreiches und dynamisches Schlagzeugspiel gehört habe. Solberg setzt bei dem Track ganz auf die Vielfältigkeit seiner Stimme und der Hörer wird Ohrenzeuge seines gewaltigen Stimmspektrums. „Restless“ ist definitiv die eingängigste Nummer. Natürlich ist der Track weiterhin reiner Progressive Metal, der über tolle Rhythmen und einer tollen Melodieführung verfügt. Der Sänger setzt seine Kopfstimme und auch harschere Töne ein und verpasst dem Song dadurch einen sehr spannenden Verlauf. „Thorns“ ist eine Mischung aus Epic, Black, Prog Metal, Jazz und einem gewaltigen Schuss Abgedrehtheit. Wie ich schon weiter oben geschrieben habe, hat der Ex- Emperor Shouter einen Gastpart. Richtig verblüfft hat mich die perfekte Integration der ansonsten eher genrefremden Trompeten. Eine richtig gewaltige und bedrückende Nummer ist „Waste Of Air“ geworden. Sie hätte auch mal ganz locker aus der Feder von Devin Townsend stammen können. Am Anfang trifft pures Blastbeatgeballer auf strange Keyboardklänge und einem Sänger, der zwischen gegrowle, kreischen oder einfach nur abgedreht singen pendelt. Der Grundrhythmus klingt zuweilen bedrückend monoton, wie das ständige wiederkehrende Geräusch eine Dampflok und zehrt am Nervenkostüm des Hörers. Eine wahnsinnige Nummer, die mir aber verdammt gut gefällt!

Vom Rest des Albums soll sich der geneigte Hörer selbst ein Bild machen und in die geniale Soundwelt von „Bilateral“ eintauchen. Es gibt noch so gewaltig viel zu entdecken!

Für mich steht fest, dass dieses Album ein wahres Meisterwerk im Progressive Metal Genre darstellt und wird mit 100% iger Sicherheit, durch keine Veröffentlichung der Konkurrenz, zu toppen sein! Egal wie sehr sich OPETH oder DREAM THEATER (deren Outputs bald anstehen) auch anstrengen, es ist schier unmöglich! Fans von anspruchsvoller Musik wie IHSAHN, OPETH, DEVIN TOWNSEND etc. müssen sich dieses Pflichtalbum einfach ins Regal stellen. Wer verpasst denn schon gerne eines der besten Alben, welches in den letzten fünf Jahren veröffentlicht worden ist?!

Wie gerne würde ich meinen Rockhimmel um mindestens 5 weitere Sterne erweitern, denn „nur“ 10 Punkte erscheinen mir für so ein Meisterwerk einfach viel zu wenig. Ich bleibe jetzt einfach mal beim vorgegebenen Rockingboy - Ranking und verpasse „Bilateral“ 10 Punkte.

Götz

LEPROUS - Bilateral - Cover

Info

Band: Leprous
Album: Bilateral
Spielzeit: 58:10 min.
Plattenfirma: InsideOut Music
Veröffentlichung: 19.08.2011
Homepage: www.leprous.net oder
www.myspace.com/leprousband

Tracklist

1. Bilateral
2. Forced Entry
3. Restless
4. Thorn
5. Mb. Indifferentia
6. Waste Of Air
7. Mediocrity Wins
8. Cryptogenic Desires
9. Acquired Taste
10. Painful Detour

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