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Wie schon im Konzertbericht erwähnt, konnte ich die Jungs von KISSIN´ DYNAMITE, besser gesagt Gitarrist Ande Braun, nach ihrem hervorragenden Gig auf dem „Open Air in Unterempfenbach“ persönlich zu einem Interview treffen. Einzig die Platzwahl für das Frage-Antwort Spiel gestaltete sich aufgrund des recht kleinen Backstagebereiches ein wenig schwierig. Da blieb nur der Rückzug in den „Band-Container“, der aber aufgrund des Bühnenumbaus teilweise recht gut besucht war . Trotzdem konnten wir ein recht relaxtes Interview führen, und nachdem die Frage geklärt war, ob wir dieses auf hochdeutsch machen müssten oder ob auch schwäbisch ok wäre, bekam ich folgende Antworten getreu dem Motto „Steel Of Swabia“:

S.T.: Bis dato habt Ihr ausschließlich gute Presse bekommen. Fühlt sich gut an, oder?

A.B.: Fühlt sich supergut an, was uns natürlich besonders freut ist, dass wir speziell in der Metal-Presse gut vertreten sind, mittlerweile haben wir einige Features auch in den großen Magazinen. Und das zeigt auch, dass wir ernst genommen werden und nicht als Teenieband hingestellt werden.

S.T.: Natürlich eine wichtige Frage bei Newcomern: Stell uns doch bitte einmal die Band vor, wie sind KISSIN DYNAMITE entstanden?

A.B.: KISSIN´ DYNAMITE sind jetzt mittlerweile 7 Jahre auf der Straße, allerdings hießen wir nicht von Anfang an so. Mein Bruder Johannes ist auch von Anfang an dabei, aber es gab schon einige Wechsel im Laufe der Zeit. Der Name steht jetzt ungefähr seit 2 Jahren und ist durch eine ganz witzige Geschichte zu Stande gekommen: Wir sind praktisch ein Zusammenschluss aus 2 Bands, haben eine Zeit lang unter einem Featuring-Namen gespielt, wollten aber dann doch einen einheitlichen Namen haben. Das hat natürlich einige Zeit gedauert, aber die Idee war so genial wie banal: während eines unserer „Namens-Meetings“ haben sich die Beteiligten mehr oder weniger gegenseitig totgequatscht und es herrschte gerade Totenstille, als plötzlich das Handy klingelte. Und jetzt darfst Du 3 mal raten, welchen Klingelton das Handy hatte? Genau, „Kissin´ Dynamite“ von AC/DC. OK, der Name hört sich cool an, AC/DC sind sowieso unsere Heroes und außerdem drückt der Name sehr gut unsere Musik aus, das „Kissin“ für unsere softere Seite, also die Balladen, und natürlich das „Dynamite“ für unsere harte, rockige Seite.

S.T.: Wie kommt man heutzutage mit der Musik die Ihr macht an einen Deal mit der EMI?

A.B.: Das ist eine wirklich lange Geschichte. Seit ich 8 Jahre alt bin und ich Angus Young von AC/DC auf der Bühne gesehen habe, habe ich mir geschworen, ich will das einmal genauso machen. Wir hatten anfangs so 25-30 Auftritte im Jahr, oft z.B. auf Bikertreffen und irgendwann trifft man die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt. Daraufhin hatten wir ein paar Fernsehauftritte, zwar eher bei Kindersendungen wie „Tigerentenclub“ oder „Toggo TV“, dann haben sie über uns eine Folge von „We Are Family“ gemacht, und da sind wir dann über ein paar Ecken zu unserem Vertrag gekommen.

S.T.: Hattet Ihr denn noch andere Angebote?

A.B.: Ja, da waren noch andere Sachen im Raum gestanden, aber wir wollten die Firma, bei der wir am meisten Freiheiten haben. Wir wollen uns nicht verbiegen lassen, dazu gehört einfach, dass wir die Musik machen können, die uns Spaß macht und vor allem wollen wir nicht in die Teenie-Ecke gedrängt werden. Zudem wollten wir nicht, dass unsere Sachen von irgendwelchen Studiomusikern eingespielt werden, diese Freiheiten gibt uns die EMI, sie fanden uns so geil, dass sie uns gewähren lassen.

S.T.: Die Songs auf „Steel Of Swabia“ sind sehr ausgereift. Wie entsteht ein KISSIN´ DYNAMITE-Song?

A.B.: Hm, man muss dazu sagen, dass der weitverbreitete Irrglaube, dass die Band die Songs zusammen schreibt, nicht so ganz stimmt. Wir setzen uns also nicht zu fünft hin und sagen, jetzt schreiben wir einen Song. Die Ideen kommen meistens von einem alleine oder auch von zwei, was sich da natürlich anbietet ist, dass ich gemeinsam mit meinem Bruder an Songs arbeite. In der Regel arbeiten wir also nach der Devise „viele Köche verderben den Brei“. So kommt Stück für Stück zusammen, also das Riff steht natürlich am Anfang, dann überlegen wir uns, welchen Charakter der Song hat, anschließend schreiben wir einen Text usw. Wenn der Song dann relativ weit ist, arrangieren wir das alles selbst im Proberaum. Wenn wir dann alles 100%ig perfekt haben, gehen wir zu unserem Produzenten ins Studio und nehmen das Ganze dort auf. Allerdings nicht das Schlagzeug, das wird extra in Stuttgart aufgenommen, da „unser“ Studio dafür zu klein ist. Selbstverständlich kann man sich nicht hinsetzen und sagen „jetzt schreib ich einen Song“! Die Ideen entstehen meistens zu den ungünstigsten Zeiten oder an ungewöhnlichen Orten. Ob Du´s glaubst oder nicht: mir kommen die besten Ideen auf dem Klo, haha. (da hat der junge Mann etwas gemeinsames mit dem Schreiberling dieser Zeilen, grins).

S.T.: Eure Platte hätte ja schon um einiges früher erscheinen sollen, was waren denn die Gründe für die Verzögerung?

A.B.: Ach, das waren verschiedene Gründe. Hauptsächlich lag es wohl daran, dass die Promo noch nicht so weit war. Du kannst kein Produkt auf den Markt bringen, wenn noch keiner weiß, dass es das Produkt überhaupt gibt. Aber wir sind sehr froh, dass es jetzt soweit ist und wir endlich durchstarten können.

S.T.: Die Aussage von „I Hate Hip Hop“ ist ja nicht misszuverstehen. Denkst Du, Deine Altersgenossen damit wieder ein wenig auf den richtigen Weg bringen zu können?

A.B.: Absolut. Das ist unsere Hymne schlechthin, um den Leuten zu sagen, was uns gefällt, oder auch nicht. Wir haben also keine Angst, zu sagen was wir denken. Wir stehen hinter dem, was wir machen und außerdem dachten wir, dass es einfach einmal gesagt werden musste. Und vielleicht können wir damit ein paar Leute bekehren, das wäre natürlich ein großer Traum. Das trifft auch auf den Song „My Religion“ zu.

S.T.: Was hältst Du davon, dass die meisten Deiner Altersgenossen gar nicht mehr zu wissen scheinen, dass man für Musik bezahlen muss? Die jungen CD-Käufer werden immer weniger.

A.B.: Wir als Musiker erleben das natürlich von der schlechten Seite aus. Auf der anderen Seite sind die CD´s auch nicht gerade billig. Es ist aber sehr schade, dass die Leute sich anscheinend so wenig für die Musik an sich interessieren. Jeder will alles haben aber nichts dafür zahlen. Aber daran wird man ziemlich wenig ändern können. Zudem ist meistens für die Band an den CD´s relativ wenig verdient. Viele Bands können fast nur durch Konzerte überleben, und durch Merchandising. Zum Glück sind wir ziemlich viel live unterwegs, haha.

S.T.: Ihr seid ziemlich ehrgeizige Jungs: was ist Dein oder Euer größter Traum in Bezug auf die Musik?

A.B.: Also mein und natürlich unser aller Traum ist es, das Hobby, das es zum jetzigen Zeitpunkt ja noch ist, zu unserem Beruf zu machen. Es gab schon viele Diskussionen: „was willst Du nach der Schule machen?“. Darauf haben wir nur eine Antwort, und die heißt Rock´n Roll. Ich kann mir nicht vorstellen, eines Tages in einem Büro zu sitzen. Natürlich muss es solche Menschen geben, aber wir wollen auf der Bühne stehen. Wir brauchen die Fans und das Feeling, die Rock´n Roll Vibes. Die spüren wir schon seit 7 Jahren und ich denke, wenn wir am Ball bleiben und an uns glauben, kann es auch klappen.


S.T.: Ihr werdet ja in Kürze u.a. auf dem Summerbreeze Festival spielen. Es muss sich mit Sicherheit cool anfühlen mit Helden wie HELLOWEEN oder EXODUS die Bühne zu teilen, oder wer sind Eure Faves dort?

A.B.: Ja, also HELLOWEEN ist definitiv eine Geschichte, auf die ich mich sehr freue, die aktuelle Single find ich ziemlich cool. Ansonsten freue ich mich auch auf kleinere Bands wie z.B. SALTATIO MORTIS, besonders weil wir sie auch schon vom „Rock am Härtsfeldsee“ in Dischingen kennen. Dort haben wir letzte Woche (genauer gesagt am 28.06.08) zusammen gespielt. Und da wird’s halt recht chillig und cool und es macht echt Spaß.

S.T.: Ok, noch eine Special-Frage an Dich: Was hat es denn mit dem „Wunsch“  auf sich, mit Hansi Hinterseer nackt auf der Bühne ChaChaCha zu tanzen?

A.B.: Haha, das kam so zu Stande, dass der Steffen (b) in unserem Video gesagt hat, dass er sich nicht für die Medien nackt ausziehen würde. Daraufhin meinte Jim (g), dass er nicht mit Hansi Hinterseer auf einer Bühne stehen möchte. Ich bin ja so ein bisschen der Exhibitionist in der Band. Da wollte ich dann praktisch einen draufsetzen und hab halt gesagt, dass ich mit ihm nackt auf der Bühne Cha Cha Cha tanzen würde. Also wenn sich der Hansi Hinterseer dazu bereit erklären würde, ich habe das gesagt, also werd ich das auch einlösen.

S.T.: OK, letzte Frage noch: Bei Eurem Gig hattet Ihr ja beim gleichnamigen Song auch den „Zombie“ mit auf der Bühne. Warum hat ein Zombie rosa Klamotten an?

A.B.: Grundsätzlich muss ich zuerst mal sagen, dass unsere Songs ja alle aus dem alltäglichen Leben heraus entstehen. Dadurch, dass wir ziemlich viel unterwegs sind, erleben wir auch die unterschiedlichsten Sachen. Natürlich auch mit den Fans, wir alle lieben unsere Fans, sie sind es, die uns bis hierher gebracht haben und vielleicht noch weiter, aber es gibt halt einen Fan, der ist schrecklich (welcher, wird aus Diskretion nicht verraten, höhö). Es gibt eben diesen einen Fan, er (oder sie) ist bei allen unseren Gigs, was ja auch sehr lobenswert ist. Aber er (sie) ist halt sehr penetrant und eines Nachts hatte mein Bruder Hannes einen Alptraum mit einem Zombie, der auf ihn zukommt und ihm was anhaben will. Und daraus ist das entstanden, aus dieser Verbindung. Daraufhin haben wir uns gedacht, dass es cool wäre, das alles etwas bildlich auf die Bühne zu bringen. Und da haben wir uns überlegt, jemanden mit zwei Gesichtern hinzustellen, der sich im Laufe des Songs praktisch verwandelt.

S.T.: Jetzt verstehe ich auch die Geschichte mit den rosa Klamotten und auch über alle anderen Details bin ich im Bilde.

A.B.: Vielen Dank für das coole Interview, hat sehr viel Spaß gemacht.

Ja, das hat es mir auch und außerdem muss ich noch loswerden, dass die gesamte Band echt supernett drauf war. Natürlich wünsche ich den Jungs alles Gute und viel Erfolg mit ihrem Debüt und allem, was da noch so folgen mag.
Stefan
 

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