Rockingboy Banner
loudproud1

Ab sofort präsentieren wir jeden Montag ab
20.00 Uhr ein redaktionell geprüftes Album mit 3 Songs beim Internet Radio
www-rock-schmiede.de.
DJ Oldwoodstock wird euch außerdem mit weiteren Schmankerln einheizen.

Flyer-Paranoid

Außerdem gibt es jeden Mittwoch ab
 20.00 Uhr einen von uns ausgewählten Song aus einem brandaktuellen Album auf
www.radio-paranoid.net.
In der Heart N Heavy Sendung des großartigen DJ GeneralCuster. Auch hier heißt es unbedingt reinhören!

JON LORD

Dt. Filmorchester Babelsberg
21.11.2010 Philharmonie München

Jon Lord Philharmonie 21.11kl

The Lord is in town! Der ehemalige Deep Purple–Organist (Keyboarder hört so einer nicht gern) gibt sich die Ehre und kehrt in seine Lebensabschnitts-Wahlheimat zurück. Nur nicht in die Olympiahalle oder gar irgendeinen bierdunstigen Club, sondern in die Philharmonie. Es steht ja auch Kultur auf dem Programm. Mindestens 60 Musiker teilen sich die fußballfeldgroße Bühne mit dem Altmeister in Sakko und mit schlohweißem Pferdeschwanz.

Als zu Beginn der Gitarrist den Konzertbeginn wegen technischer Probleme etwas verzögert, kann sich der Gastgeber nicht verkneifen, in Anspielung auf seine alte Hassliebe zu Ritchie Blackmore zu bemerken: „it’s always the guitarists“.

Den ersten Teil des Abends bildet das „Concerto For Group And Orchestra“, uraufgeführt und auf Vinyl gebannt im Jahre 1969, als es für Rockmusiker noch merklich schwieriger war, von Klassikern ernstgenommen zu werden. So tief waren die kulturellen Gräben, daß sich der erste Geiger schon mal demonstrativ die Ohren zuhielt, wenn Mr. Blackmore zum Gitarrensolo ansetzte.
Aber Jon Lord hat sich nie beirren lassen und nachdem man heutzutage fast in jeder Rock-Coverband mindestens einen Konservatoriumsabsolventen verbucht, kann man als zusammengewachsen bezeichnen, was für die meisten kulturbeflissenen Musikkenner dekadenlang als unvereinbar galt.
Das Concerto kommt in drei Sätzen, laut dem Meister einer in mittelschnell, einer in langsam und der letzte in „very fast“. Die klassische italienische Nomenklatur aus Allegro etc. wird erst gar nicht bemüht, zu ernst nimmt sich hier sympathischerweise keiner. Das Experiment gelingt, ein paar Gastnoten hie und da bilden schöne Halbtonreibungen und lassen erahnen wieviele Schweißtropfen der ein oder andere Bratschist an diesem Abend der kulturübergreifenden Sache opfert.
Dem Publikum steht’s ins Gesicht geschrieben: Daß ich das noch erleben darf! Immerhin 41 Jahre sind vergangen seit der Komposition und allzu viele Gelegenheiten gab es zwischenzeitlich nicht, selbiger in Concerto zu lauschen.

Nach der Sektpause gibt’s erstmal auf die Ohren. Deep Purple’s „Pictures of Home“ gefällt mit schönen Unisono-Läufen und virtuosen Soli. Auch die beiden SängerInnen kommen ab jetzt öfter ans Mikro und machen ihre Sache ordentlich, aber brav. Ein paar Falsettausflüge des männlichen Parts Steve Balsamo reizen den hartgesotteneren Rockfan der alten Schule zwar ab und an zum Schmunzeln, aber man will ja nicht mäkelig sein.
Bei den nun folgenden Excerpten aus „Sarabande“ hat die Vokalfraktion eh Pause und Orchester und Band liefern sich hübsche Duelle inklusive Umarmungen.
Die Band hat Jon Douglas Lord aus einer deutschen Deep-Purple-Coverband rekrutiert, d.h. eigentlich nur Drummer, Bassisten und Gitarristen. Allesamt Profis, die die Sache natürlich von der Pike auf gelernt haben.
Lords Zusammenarbeit mit Sängerinnen wie Sam Brown oder Frida (ja, die von ABBA) darf natürlich an so einem Abend auch nicht fehlen und so darf Tanja Schun ihr Können unter Beweis stellen.

Das Beste zum Schluß: „Child in Time“ orchestral aufgeführt und mit zwei Sängern beiden Geschlechts intoniert, um auch wirklich das einstige Register eines Ian Gillan ziehen zu können. Natürlich zweistimmig arrangiert und artig gestützt, man will sich ja nicht die Stimme ruinieren wie o.g. Protagonist, auch wenn uns dieser auf diesem opferreichen Weg Meilensteine der Musikkonserve beschert hat.
Gitarrist Mark Zyk überrascht uns mit einem fulminanten Solo und manch böse Zunge munkelt, daß bei Ritchie Blackmore dereinst nicht so viele beabsichtigte Töne angegangen seien.

Ein Da Capo wird es nächstes Jahr spätestens im Mai geben, Jon Lord wird dann 70 Jahre und ein bißchen weise und nur wenig leise. So lange er noch die Hammond röhren läßt, sollten sich Freunde der genreübergreifenden Schallereignisse unbedingt Tickets sichern.

Thomas
 

Site Search Site Search