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Zehn Jahre norddeutscher Metall vom Feinsten, dazu noch ein taufrisches Scheibchen am Start, das ist doch die optimale Gelegenheit, um Sprachrohr und Bandboss Piet Sielck über die unterschiedlichsten Dinge auszuquetschen:
S.T.: Die bisherigen Alben erschienen bei Noise Records, jetzt seid Ihr bei Dockyard 1 gelandet. Wie kams zu dieser Zusammenarbeit?
P.S.: Das liegt darin begründet, dass ich ja auch ein Teil von Dockyard 1 bin. Ich habe dieses Label zusammen mit Christine und Dirk gegründet und dann ist es natürlich von Vorteil, wenn ich meine eigenen Sachen auf meinem eigenen Label veröffentliche haha.
S.T.: Das klingt natürlich logisch. Welche Unterschiede siehst Du für Dich im Bezug auf das Songwriting zur aktuellen Scheibe. Soviel ich weiß, waren die Jungs als Band dieses Mal mehr involviert.
P.S.: Ja und nein. Ich sag mal so, das Songwriting lag dieses Mal mehr in meinen Händen, was aber mehrere Gründe hat. Eigentlich war es gar nicht so geplant, wir alle sind aus diversen Gründen gar nicht dazu gekommen, Songs zu schreiben. Bei mir hatte sich auf einmal ein Knoten gelöst und es sprudelte einfach nur so heraus. Das hatte zur Folge, dass ich fast das komplette Album in wirklich kürzester Zeit geschrieben hatte. Zwei Songs hatte ich zwar schon, aber der Rest war in ca. drei Wochen geschrieben. Das war allerdings nur möglich, da ich ja lange Zeit nichts dahingehend gemacht hatte. Es spuken da immer mal diverse Ideen im Kopf rum, diese sammeln sich an und letzten Endes konnte ich sie jetzt endlich zu Papier bringen. Dazu kommt noch, dass viele der Ideen genau gepasst haben. Natürlich habe ich auch schon mal ein halbes Jahr oder auch schon ein Jahr gebraucht, ein Album zu schreiben.
S.T.: Das neue Album steht jetzt in den Läden, wie geht’s jetzt mit IRON SAVIOR weiter? Ist z.B. eine Tour geplant?
P.S.: Ich bin im Moment in einer großen Umräumaktion, denn ich verlagere gerade mein Studio zu Hause. Das ist so eine Kettenreaktion, denn dafür müssen auch noch andere Räume umgebaut werden. Das liegt daran, dass ich demnächst auch das Songwriting und die Produktion für SAVAGE CIRCUS angehe, da brauche ich eine andere Arbeitssituation und das war jetzt mehr als überfällig. Was IRON SAVIOR angeht, passiert da erstmal nichts, da ich erstmal die anstehenden Arbeiten für SAVAGE CIRCUS beenden muss. Wenn das erledigt ist, was ungefähr im September der Fall sein wird, werden wir uns wieder auf IRON SAVIOR konzentrieren und dann werden wir mit Sicherheit auch live tätig werden.
S.T.: Die neuen Tracks von IRON SAVIOR sind meiner Meinung nach um einiges rockiger ausgefallen als noch die Vorgänger. Hängt das damit zusammen, dass Du Dich mit SAVAGE CIRCUS in eine andere Richtung austoben kannst?
P.S.: Genau! Das hat zwar nichts damit zu tun, dass ich keine Lust auf bestimmte Dinge habe, aber ich habe die beiden Bands bewusst getrennt. Ich hatte zwar vor einiger Zeit die Idee, mit dem aktuellen IRON SAVIOR-Album wieder ein paar progressivere Sachen aufzugreifen und grob in die Richtung „Unification“ zu gehen, dann kam aber sozusagen SAVAGE CIRCUS dazwischen und da ist dann alles aus dieser Richtung gelandet. Damit es da auch keine Verwechslungen gibt, denn IRON SAVIOR ist ganz klar klassischer Metal, direkt nach vorne raus und SAVAGE CIRCUS ist eben die andere Schiene.
S.T.: Hättest Du denn jemals erwartet, dass SAVAGE CIRCUS solch großen Erfolg haben könnte?
P.S.: Wenn ich ganz ehrlich sein soll, ich bin ja nicht erst seit gestern in dem Business und dass das Ganze nicht ganz unerfolgreich sein würde hat man schon ein wenig an den Songs gerochen. Wenn ich jetzt die Songs vorher nicht gehört hätte und nur die Grundidee da gewesen wäre, ok. Ich dachte also schon, dass es eine gewisse Reaktion darauf geben wird und das alles nicht einfach so verhallen würde. Natürlich hätte sie noch ein bisschen besser sein können, denn wir waren mit dieser Veröffentlichung ein bisschen vom Pech verfolgt, da die Limited Edition mit 5000 Stück wegen einer Fehlpressung wieder aus den Läden zurückgeholt werden musste. Das hat uns dann auch die Chartposition gekostet, die wir dann gehabt hätten. So im Mittelfeld um Platz 50 rum wäre schon reell gewesen. Von daher hab ich also schon einen gewissen Erfolg vermutet und wenn ich ehrlich sein soll haben wir als Label auch mit dem gerechnet, was da letztendlich dabei rumkommen wird.
S.T.: Ich bin ein großer Fan der Coverversionen von IRON SAVIOR. Ich denke da mal an „This Flight Tonight“ vom Erstling oder auch „The Rage“. Habt Ihr denn schon mal daran gedacht, ein reines Cover-Album zu machen?
P.S.: Der Gedanke ist uns schon mal gekommen und es haben uns diesbezüglich auch schon viele gefragt. Meinst Du jetzt die bestehenden oder neue Songs?
S.T.: Ich denke da z.B. an eine Mischung aus den bestehenden, die durch ein paar neue ergänzt werden.
P.S.: Ja, das könnte dann so eine Art Zwischenalbum werden, anstelle einer langweiligen Best-Of. Man könnte natürlich ein Doppelalbum machen, eine Seite Best-Of und die andere dann als Kollektion aller Covers angereichert mit 4-5 neuen Nummern. Das kann ich mir durchaus vorstellen.
S.T.: Welche Bands bzw. Songs würde man auf so einer Cover-CD finden?
P.S.: Wir haben dieses Mal kein Cover gemacht, weil wir ehrlich gesagt einfach keine gute Idee hatten. Ich finde, eine Coverversion kann man nur machen, wenn die Idee einfach stimmig ist, wir hatten zwar einige Ideen, die wir aber immer wieder verworfen haben. Außerdem hatten wir keine Lust, den x-ten Priest Song zu machen, denn derer gibt es bei uns schon einige. Dann hatten wir was von BLACK SABBATH oder DIO im Auge, aber das hat sich dann nicht ergeben. Ich finde, eine Cover Version muss so sein, dass sie richtig rüberkommt, man bleibt halt immer eine Kopie und da sollte schon dafür gesorgt sein, dass es dann soundmässig voller, eigenständig und moderner produziert klingt damit diese Version auch ihre Daseinsberechtigung hat. Der zweite Weg für mich wäre dann ähnlich wie wir das mit „Crazy“ von SEAL gemacht haben, was allerdings ein Glücksfall ist, wenn man solch eine Idee hat. Wenn man praktisch etwas komplett Neues aus einem Titel strickt, aber das ist natürlich extrem schwer, einen solchen Titel dann auch ausfindig zu machen.
S.T.: Da muss ich Dir zustimmen, denn es ist ja durchaus möglich, sich nicht nur auf Metal- oder Rocksongs zu limitieren, sondern sich auch in anderen Gefilden umzusehen.
P.S.: Richtig, darin liegt ja auch der Reiz des Ganzen. Einfach einen genrefremden Song zu nehmen und ihn einfach zu „metallisieren“.
S.T.: Wobei wir bei einem ganz anderen Thema angelangt wären: Kommt es Euren Alben zu Gute, dass Du ein erfahrener Produzent bist?
P.S.: Ja, ich finde schon, dass uns das zu Gute kommt, denn unsere Alben werden eigentlich regelmäßig soundmässig gelobt und auch andere Leute kommen auf mich zu und möchten mit mir arbeiten, also wage ich mal daraus abzuleiten, dass es nicht ganz Scheiße sein kann, was ich mache (lacht). Natürlich stellt sich auch des öfteren die Frage, ob wir nicht mal jemand anderes ranlassen sollten. Davon bin ich auch generell gar nicht abgeneigt, aber bei der Größe, die IRON SAVIOR hat, muss man ganz einfach sagen, dass es letztendlich auch eine finanzielle Frage ist. Wir verkaufen halt keine 100000 Einheiten in Deutschland und dann muss man halt schon rechnen, und wenn ich selbst produziere, ist das dann halt auch ohne Entgelt. Da wird die Konkurrenz Schwierigkeiten haben, diesen Kurs zu unterbieten, haha.
S.T.: Dann stammt Euer Gitarrensound bestimmt auch von Dir. Ich finde, den hört man aus 1000 Bands heraus.
P.S.: Ich hab das jetzt nicht bewusst darauf angelegt, dass dem so ist, aber das ist halt der Sound, wie ich ihn mag. Wenn das dann auch noch ein Erkennungszeichen ist, dann freut mich das natürlich.
S.T.: Ich habe auch mal gelesen, dass Du gerne in einer Poser-Band rocken würdest, was ja eine komplett andere Ausrichtung wäre. In welche Richtung würde solch ein Projekt gehen?
P.S.: Oh, das würde mit Sicherheit in die Richtung alte MÖTLEY CRÜE gehen. Dieser alte L.A.-Style war schon ganz geil. Hat Spaß gemacht, damals. BULLET BOYS fand ich auch super.
S.T.: Noch einmal zurück zum IRON SAVIOR-Sound. Ich finde, dass sich dieser in einem gewissen Rahmen bewegt. Findest Du es wichtig, dass dem so ist oder möchtest Du einmal komplett ausbrechen?
P.S.: Ich finde das schon wichtig, dass dem so ist. Ich könnte natürlich jetzt das Gegenargument herausziehen und sagen, wenn du die „Unification“ nimmst und mit dem jetzigen Album vergleichst, dann liegt ja doch eine gewisse Evolution dazwischen. Es ist alles etwas straighter geworden, auch der Produktionssound hat sich verändert. Nimm auch mal die Gitarren, ich nehme sie heute ganz anders auf als früher, vielleicht ist es für einen Außenstehenden nicht so spürbar aber ich finde dass es da schon Unterschiede gibt. Klar, es ist alles Metal, der zum Grossteil meinem Hirn entsprungen ist, insofern hat er dann auch eine gewisse Basis, z.B. die Riffs zu gestalten und gewisse Abläufe zu gestalten. Letztendlich ist es natürlich auch meine Stimme, die halt auch relativ markant ist, das sind einfach die Dinge, die IRON SAVIOR machen, in einer gewissen Weise dann natürlich auch wiederkehrend da sind.
S.T.: Das heißt also, wo IRON SAVIOR draufsteht, ist auch IRON SAVIOR drin.
P.S.: Ja klar, IRON SAVIOR gibt es jetzt seit 10 Jahren und es bringt auch nichts, jetzt da rumzudocktern. Um mal ein Beispiel zu nennen: IRON SAVIOR mit Drum-Loops oder irgendwelchem Percussion-Geklapper im Hintergrund, das kann ich mir nicht vorstellen. Das mag für andere Bands durchaus ok sein, aber das geht einfach nicht, außerdem würde das keiner so richtig verstehen. Auf dem neuen Album haben ja auch schon viele Schwierigkeiten, „Flash“ zu verstehen, weil es ihnen zu langsam ist.
S.T.: Wobei ich persönlich die Midtempo-Nummern von IRON SAVIOR liebe, die kommen richtig fett rüber.
P.S.: Das finde ich auch, deshalb habe ich auf dem neuen Album auch versucht mein Augenmerk ein wenig auf die Midtempo-Nummern zu legen. Da waren wir in der Vergangenheit etwas „unterbelichtet“, denn wir hatten jede Menge schnelle Sachen oder dann ganz langsame. Das merke ich auch bei einem Live-Set, da gibt dann jede Menge Geballer, aber von den richtigen Stampfern haben wir nur 1-2 von den vorherigen Alben wie „Break The Curse“ oder Mindfeeder“, aber das war´s dann auch. Somit kann man jetzt auch ein Live-Programm wieder etwas abwechslungsreicher gestalten.
S.T.: Wie kommt es eigentlich, dass SAVAGE CIRCUS nach nur einem Album schon eine DVD veröffentlicht haben, IRON SAVIOR aber nach 10 Jahren noch keine?
P.S.: Das hätten wir mit SAVAGE CIRCUS auch nicht gemacht, wenn sich da nicht diese günstige Gelegenheit ergeben hätte. Wir haben ja letztes Jahr in Atlanta auf diesem „Prog Power“ Festival gespielt und da wurde dann mit zig Kameras alles sehr professionell abgefilmt. Danach wurde uns die Show dann zu einem guten Kurs angeboten und da haben wir einfach zugegriffen. Außerdem ist das natürlich auch ein kleines Stück Zeitgeschichte in Sachen SAVAGE CIRCUS, denn in dieser Konstellation, die auf der DVD zu sehen ist, wird es diese Band nicht mehr geben. Denn die ganzen Live-Shows waren ja ohne Thomen (Stauch, ex-BLIND GUARDIAN) und natürlich hat es mit Thomas (Nack) auch viel Spaß gemacht, war eine nette Zeit, aber das ist halt jetzt auch ein Abschluss in dieser Sache. Vielleicht ist es auch eine schöne Möglichkeit für die Fans, die uns nicht live sehen konnten, denn wir haben ja 2006 nicht so viel gespielt und damit haben wir mit Sicherheit nur einen kleinen Prozentsatz erreicht. Somit ist es für alle anderen Fans auch eine schöne Gelegenheit, sich ein Livekonzert wenigstens auf DVD anzukucken.
S.T.: Das wäre doch auch für IRON SAVIOR interessant!?
P.S.: Mit Sicherheit, aber bisher ergab sich für IRON SAVIOR leider nicht die Möglichkeit, die sich jetzt für SAVAGE CIRCUS geboten hat. Aber wenn sich so etwas für IRON SAVIOR ergeben würde, dann würden wir das mit Sicherheit auch machen. Ich denke, nach 10 Jahren kann man sich mal ne DVD leisten.
S.T.: Was erwartet uns in Bezug auf das neue SAVAGE CIRCUS Album?
P.S.: Die Richtung, die wir eingeschlagen haben, werden wir gnadenlos weiterverfolgen, haha. Es geht mit Sicherheit in die selbe Abteilung, Power, viele Melodien, nette, interessante Songstrukturen, wie es auch auf der „Dreamland Manor“ hatten, einfach diese Musik, die wir geil finden. Wir werden natürlich auch versuchen, ein paar neue Elemente reinzubringen, wie die aber aussehen werden, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.
S.T.: Mir sind auch die Video Linernotes zu „Condition Red“ auf Eurer Page aufgefallen. Hast Du denn schon mal an eine Drittkarriere als Comedian nachgedacht?
P.S.: Das hab ich natürlich ernsthaft schon mal getan, nein, ernsthaft natürlich nicht, aber da hätte ich auch Spaß dran. Ich denke, das würde mir schon liegen. Ich hatte auch viel Spaß an diesem Tag, als das entstanden ist.
S.T.: Ja, da sind echt coole Sachen dabei, z.B. die „Hintergrundinformationen“.
P.S.: Ja, das ist auch mein Favorit muss ich sagen.
S.T.: Kommen wir auch schon zur letzten Frage. Als Du 1977 gemeinsam mit Kai Hansen die Band GENTRY gegründet hast, hättest Du es für möglich gehalten, dass Du 30 Jahre später immer noch aktiv musizierender Metaller bist?
P.S.: Ne, natürlich war das so ein Traum, den wir damals hatten, aber wir waren damals mit Ach und Krach gerade mal der Kindheit entsprungen, da ist man natürlich auch total naiv. Eine Zeit lang war mir das klar, ey ich wird Rockstar, logisch. Mit zunehmendem Alter hat sich das aber auch ein bisschen relativiert, so mit 18 dachte ich dann, vielleicht versuchst Du es doch mal mit nem Jurastudium. Aber als wir angefangen haben, haben wir natürlich gedacht, dass es das Beste überhaupt ist was wir machen und dass nur wir den wahren Metall spielen.
S.T.: Ja, es war ja doch ganz schön hart und vor allem auch schnell für die damalige Zeit.
P.S.: Ja, das war wirklich ziemlich hart. Manchmal kamen Mitglieder von anderen Bands zu uns in den Proberaum und sagten „Seid Ihr verrückt geworden, die krasse Verzerrung, das geht ja gar nicht und das müsst Ihr so und so einstellen“. Die haben uns dann angeblich einen tollen Sound eingestellt, so AC/DC mit noch ein bisschen weniger Zerre und als die dann wieder weg waren, haben wir alles wieder so eingestellt wie es vorher war, fertig, haha. Eigentlich waren wir damals mit dem Sound unserer Zeit ein wenig voraus, auch in Sachen Geschwindigkeit und Härte. Das hatte auch zur Folge, wenn wir irgendwo gespielt haben, sind wir nicht gut angekommen. Die Leute wollten einfach AC/DC und UFO hören. Wenn wir dann mit unserem Speedmetal ankamen, dann funktionierte das einfach nicht, das haben die Leute einfach noch nicht verstanden.
S.T.: Naja, der Begriff Speedmetal war ja auch noch nicht geboren, und heute hat jede Band ihre eigene Bezeichnung was die Stilrichtung angeht.
P.S.: Ja, da hast Du Recht, deswegen bin ich auch ganz glücklich darüber, dass IRON SAVIOR in den Magazinen ganz einfach als Heavy Metal bezeichnet wird. Da weiß jeder, was es bedeutet.
Welch treffende Worte zum Abschluss! Glücklicherweise haben es die Leute dann auch bald geschnallt mit dem Speed-Metal, sonst hätten wir heute keine Bands wie IRON SAVIOR, die uns regelmäßig mit erstklassigem Liedgut beglücken.
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