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Und wieder einmal mehr kommt aus Skandinavien, genauer gesagt aus Finnland, ein weiteres Stück Rockmusik auf uns zu. Entweder werden dort statt Trolle und Fehen, Musiker gezüchtet, oder das längliche Land mit seinen 1000 Seen und Mücken ist irgendwo zwischen den 80ern und 90ern stehen geblieben, was den Musikgeschmack angeht. Mir soll es recht sein, denn bisher ist mir noch kein Interpret untergekommen, den man zerreißen müßte für das, was er macht.
Jetzt sind Human Temple auch keine Anfänger mehr und bringen mit Halfway to Heartache mittlerweile ihren dritten Longplayer heraus. Und ich muß zugeben, das ich bisher noch nicht sonderlich auf die Nordlichter aufmerksam geworden bin. Es mag sein, das der Gründer und Frontmann Janne Hurme in seiner Heimat eine Art Star ist, aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht ganz los, das sich Hurme nicht so recht entscheiden kann, was für eine Richtung er mit diesem Silberling einschlagen möchte. Das ganze ist gut produziert und direkt der Opener "I will follow" geht schon gut ab. Auch die weiteren Songs wie "Bleeding through" oder "Almost there" sind typische Rocksongs im Stile der 80er und 90er Hair-Metalbands, mit viel Melodie und Keyboards. Aber eine eindeutige Richtung tut sich hier nicht auf, auch nicht, wenn man es von einer anderen Warte aus betrachtet und Hurme eventuelle Vielfältigkeit anrechnen möchte, denn dafür sind die einzelnen Titel recht unspektakulär und zu gerade.
Wären da nicht so Ausreißer wie das (Wir-müssen-die Welt-verbessern)-"Our world our time", das mehr schlechte als rechte Fleetwood Mac-Cover von "Little lies" oder das langweilige "Because of you", dann würde ich der Scheibe wirklich eine adäquate Punktzahl geben, da es sich nicht um 0815-Rock handelt, sondern einige Passagen recht ansprechend und verschärfter AOR bis Hard-Rock im Stile der 80er beinhalten. Zum Ende hin wird das Gesamtbild jedoch immer mehr getrübt, denn mit "She talks to angels" endet der Silberling mit einer Möchtegern-Ballade, die so nichtssagend und vorhersehbar ist, das es mich schon schüttelt und ich das Ende herbei sehne.
Fazit: Ganz nett produziert, mit mehr Tiefen als Höhen, setzt Janne Hurme bei weitem keinen Meilenstein. Das Rad kann man auch nicht neu erfinden, aber hier zwängt sich der Gedanke auf, das der Finne es hier und da versucht - aber leider wie so viele, scheitert...
Jockel
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