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George & G. So Much To Say

Band: George & G.
Album: So Much To Say (Avenue Archives Vol. 2)
Spielzeit: 48:09 min.
Plattenfirma/ Vertrieb: Avenue Of Allies/H'ART
Homepage: www.georgegrunwald.com
VÖ: 29.04.2011
Wertung: 6,5 von 10
Hier ist also nun der zweite Teil der Avenue Of Allies Archive Reihe. Mit der ersten Re-release haben AOA mich absolut geplättet, bietet das KING OF HEART Debüt doch astreinen, tollen AOR. Bevor ich mich dem zweiten Part gewidmet habe, war ich schon sehr gespannt, ob sie mit dem West Coast Album von George „Jerzy“ Grunwald, wieder bei mir punkten würden.
Um die Antwort gleich vorweg zu nehmen: Leider schafft es „So Much To Say“ nicht mich zu überzeugen, sondern kommt über ein Solide nicht hinaus. Und das obwohl der Gesang als auch die instrumentale Arbeit überragend sind. Es wird toller West Coast geboten. Dies liegt hauptsächlich an der Eigenständigkeit der Songs, aber dazu komme ich weiter unten im Text.

Das interessante an der Person Grunwald ist, dass er eigentlich ein Genrefremdling ist. In der Vergangenheit war er eher dem Jazz und Fusion Genre zugeneigt und seine bisherigen Alben von diesen Stilen hörbar beeinflusst. Ganz neues Terrain betrat er mit „So Much To Say“ trotzdem nicht, da er schon länger mit Musikern der West Coast Szene gearbeitet hatte und sich in diesem Umfeld auch als Songwriter betätigte. So kamen auch seine vielen Kontakte zu den ganzen Musikern zustande, die sich auf dem Album ein Stelldichein geben.

Veröffentlicht wurde das Album 2006, im asiatischen Raum, und findet jetzt erst den Weg nach Europa (aufgestockt um 2 Bonustracks). Der gebürtige Pole, der später nach Schweden auswanderte und auch einige Jahre in New York verbrachte, hat sich bis zur damaligen Release einige Jahre Zeit gelassen und für „So Much To Say“ das Who is Who der West Coast Szene um sich gescharrt. Als ich die Guestlist gelesen habe, standen mir die Freudentränen in den Augen! Tamara Champlin, Bill Champlin, Lou Pardini, Warren Wiebe, Joseph Williams, Jason Scheff, Alex Ligertwood, Mark Leadford, David Blamires, Allen Hinds, Oli Poulsen, Håkan Mjørnheim, David Garfield, Eric Marienthal, Jan Lysdhal, Jens Hack, Jacob Andersen, Hans Poulsen, Finn Verwohlt, Trille Palsgaard, Stine Findsen, Daniel Zimerman. 

Besser geht es einfach nicht mehr und garantiert einen musikalischen Höchstgenuss. Das ganze Album klingt dazu noch sehr homogen. „Jerzy“ hat eine tolle und angenehme Stimme, die meist in der mittleren Tonlage liegt. Besonders hervorzuheben ist das sensationelle Saxophonespiel von Erich Marienthal (CHICK COREA, ROBBIE WILLIAMS). Er schafft es mit seinem Spiel den Hörer in seinen Bann zu ziehen. Egal ob er gefühlvoll im Hintergrund agiert oder auch sich nach vorne drängelt, um den Song den absoluten Schliff zu verpassen, eine ordentliche Gänsehaut ist dem Hörer garantiert. Ich könnte die ganze Zeit voller Begeisterung klatschen. Das GEILSTE an „So Much To Say“ sind definitiv die Backing Vocals. Sie sind einfach perfekt arrangiert und von den besten Vocalisten der Szene eingesungen worden. Die glasklare und professionelle Produktion ist das i-Tüpfelchen.

Liest sich alles sehr gut, nicht wahr?
Das Problem auf „So Much To Say“ ist einfach, dass sich Grunwald zu sehr an seine Faves CHICAGO, CHICAGO UND CHICAGO orientiert. Bei fast jedem Song hört man den Soundpaten überdeutlich heraus. Klar, mit Bill Champlin und Jason Scheff hat er sich auch gleich zwei der Bandmitglieder ins Studio geholt, aber ein bisschen mehr Abgrenzung hätte dem Album sehr gut zu Gesicht gestanden. Dazu gesellen sich noch ein wenig TOTO/EAGLES und viel zu wenig DAVID ROBERTS, welcher die Verbindung aus AOR und West Coast perfektioniert hat (auch er wird in der AOA  Archives Series noch vorgestellt!).

Der Opener und gleichzeitig Titelsong lebt von einer sehr guten Instrumentalisierung, bei der die Keyboards/das Piano überdeutlich im Vordergrund stehen/steht. Die Gesangsharmonien des Lead- und Backing Gesanges sind allererste Sahne! Mit dem gefühlvollen „Save My Love“ liefern Grunwald und Kollegen eine enorm souveräne Leistung ab. Ich habe selten so ein schönes Stück gehört. Das Saxophonespiel von Marienthal ist einfach nicht von dieser Welt (Der Song ist auch nochmal in einer Instrumentalversion vertreten, bei der er noch stärker in Erscheinung tritt – einfach der absolute WAHNSINN!!!)! Ein weiterer Song, der mich schier zum Ausflippen bringt, ist das Duett mit Alex Ligertwood (u.a. SANTANA und JEFF BECK GROUP). Die beiden Sänger ergänzen sich auf eine wunderbare Art und Weise auf „ Touch The Sun“. Die getragene und tolle Piano Nummer überrascht am Schluss mit einem sehr guten Gitarrensolo. Auf „Why Don't You Stay“ bietet „Jerzy“ seine bis dahin beste Gesangsleistung ab, was auch daran liegt, dass sich die Backing Vocals recht dezent im Hintergrund bewegen und nicht ganz so dominant in Erscheinung treten, wie bei den restlichen Songs.

Trackliste:
1) So Much To Say  4:02
2) Save My Love  4:55
3) You Know  3:57
4) Have I Lost My Girl  3:56
5) I’m Emotional  5:38
6) Touch The Sun  4:59
(Duet with Alex Ligertwood)
7) With Every Breath  4:50
8) Mystery Girl  4:26
9) A Love So Right  4:12
10) Don’t Give It Up  4:17
11) Why Don't You Stay  4:09 (bonus track)
12) Save My Love  4:26 (bonus track)(instrumental feat. Eric Marienthal)

Lasst Euch bitte nicht durch meine Benotung beirren! Wer bisher noch keine Berührungspunkte mit den stets präsenten CHICAGO hatte, findet auf „So Much To Say“ erstklassigen West Coast und wird seine wahre Freude an dem Album haben. Es handelt sich um ein wirklich erstklassiges Album, welches halt das Pech hat, von jemanden besprochen worden zu sein, der seit Jahren gerne CHICAGO hört.
Da ich dem Original den Vorzug gebe, anstatt einer Kopie, fällt meine Bewertung ein bisschen kritischer aus.
Guter Gesang, geniale Backing Vocals, sowie ein überragende Instrumentalisierung und dazu kaum Eigenständigkeit im Songwriting, das ergibt bei mir 6,5 Punkte. Auch die ganze Batterie an erstklassigen Studiomusikern kann da nichts mehr herausreißen. Würde ich die Originalband nicht kennen, hätte Grunwald eine durchaus höhere Bewertung von mir erhalten!
Götz

 

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