|
Band: Blood Ceremony Album: Living With The Ancients Spielzeit: ca. 51:40 min. Plattenfirma/ Vertrieb: Rise Above Records Homepage: www.myspace.com/bloodceremony VÖ: 07.03.2011 Wertung: 9 von 10 Nachdem Lee Dorian die Auflösung von CATHEDRAL bekannt gegeben hat, kann er sich jetzt ja ganz auf die Belangen seiner Plattenfirma Rise Above Records konzentrieren. Dass er Musikgeschmack und ein gutes Näschen hat, bewies er schon durch Veröffentlichungen von PENTAGRAM, ELECTRIC WIZARD, ORANGE GOBLIN und GHOST. Die Kanadier BLOOD CEREMONY befinden sich seit dem Release des selbst betitelten Debütalbums (2008) in der Obhut von Lee Dorian und konnten damals schon mit einem qualitativ hochwertigen Einstand überzeugen. Eine coole Mischung aus Doom Metal, Classic Rock und Psychedelic überzeugte auf dem Erstling und sorgte für durchwegs gute Kritiken.
Die Band besteht aus: Alia O'Brien - Vocals, Flute, Organ Sean Kennedy - Guitars Lucas Gadke - Bass Andrew Haust - Drums
Die Marschrichtung hat sich 2011 nicht geändert. BLOOD CEREMONY haben ihre Classic Rock Einflüsse sogar noch verstärkt. In den Songs schimmert heute noch verstärkter BLACK SABBATH und JETHRO TULL durch und die Band liefert mit „Living With The Ancients“ ein verstörendes, liebreizendes, düsteres, zähflüssiges und guter Laune versprühendes Album ab. HÄH?! So, jetzt mal alles der Reihe nach! Anno 2011 herrscht bei ihnen weiterhin noch die altbewährte Mischung aus Doom Metal, Classic Rock mit einer gehörigen Portion Psychedelic und textlich fühlt sich die Band den okkulten Themen zugeneigt. Man kann BC am besten mit einem Bild vergleichen auf dem Jungfrauen leicht bekleidet, auf einer bunten Blumenwiese, unter einem Baum tanzen. Schmetterlinge umkreisen sie und kleine neckische Elfen und Kobolde beobachten die Jungfrauen von den Baumästen aus. Hinter einem Fels sieht man aber einen bedrohlichen Dämon, der es auf die Jungfrauen abgesehen hat. Man sieht der Kreatur an, dass sie nur auf den richtigen Moment wartet, um sich eine der hübschen Damen zu schnappen und mit sich in die Hölle zu reißen. Die Bedrohung ist also Allgegenwärtig. Und BLOOD CEREMONY liefern auf „Living With The Ancients“ den geeigneten Soundtrack zu diesem Gemälde.
Alles beginnt schleppend, die Gitarre mit einem zähen eindringlichen Riff und die restliche Rhythmussektion gesellt sich dazu. Alia O'Briens hallender Gesang lädt ein mit der Band zusammen dem „The Great God Pan“ zu huldigen. Das eindringliche und psychedelische Orgelspiel übernimmt die Führung und lässt den Sound schwerfällig und düster aus den Boxen quillen. Der beklemmende Slo-Mo Rocker wird von einem weiteren getragenem Gitarrenspiel abgelöst und Alia beschwörender Gesang und ihr Flötenspiel sind Dreh- Angelpunkt des zähem „Coven Tree“. Die Drums und der Bass liefern den treibenden Part. Stilistisch ist der Song ein ganz böser Bastard aus BLACK SABBATH und JETHRO TULL. Der Pate JETHRO TULL übernimmt bei dem Instrumentalstück „The Hermit“ überhand und durch das Flötenspiel bekommt der Song so etwas wie einen positiven Vibe und verbreitet Leichtigkeit. Kaum hat man gefallen an der verbreiteten Fröhlichkeit gefunden wird auch schon wieder dieser Gemütszustand bis zum Fundament eingerissen.“My Demon Brother“ wird durch einen immer wiederholenden Gitarrrenriff und einem alles in die Erde drückendes Drumspiel wieder in die finstere Ecke gezehrt. Alia O'Brien's psychedelisches Orgelspiel gibt dem Song den letzten Schliff. „Morning Of The Magicans“ ist ein düsterer Psychedelic Rocker, bei dem die Band einen wummernden Ryhthmus produziert und O'Brien mit ihrem Flötenspiel wieder einen schönen Kontrastpunkt setzt. Ein kurzer Moment Stille und dann legt die gesamte Band los, um den Hörer nun komplett in ihre Welt hinein zu reißen. Kaum hat man sich von der Reise erholt kommt der nächste Doom Angriff auf den Hörer zu. Präzise wie ein Schweizer Uhrwerk wird das Schlagzeug malträtiert, die Gitarre spielt immer einen Riff, variiert leicht um dann ein ähnliches Riff anzusetzen. Die Orgel dröhnt 70er like und die Fronthexe erzählt uns die Geschickte über „Oliver Haddo“. Fast schon harmlos und optimistisch wirkt der Song „Night Of Augery“ und erinnert mich an URIAH HEEP. Im instrumentalem Mittelstück ändert sich die Grundstimmung und man gerät wieder in die Mühlen des Dooms, um diese wieder zu verlasen und die eigentliche Linie weiter fortzuführen. Schon komplett ausgepowert bekommt man anschließend ein schönes kurzes Instrumentalstück bestehend aus Flöte und Gitarre geboten. Nach den 40 Sekunden Erholung durch „The Witches Dance“ setzt Blood Ceremony zum Finale an. BS und JT sind wieder voll vertreten und es wird für die Bandverhältnisse schon sehr gradlinig gerockt. Bei „Daughter Of The Sun“ besteht keine Befürchtung, dass die Band einem verstört zurück lässt, sondern entlässt den geneigten Hörer durch den angenehmen 70er Jahre Rocker in die Freiheit. Natürlich lässt sich Frau O'Brien auch hier nicht die Chance entgehen und zeigt ihr Können, an der Orgel und an der Flöte, ausgiebig.
Trackliste:
1.The Great God Pan 2.Coven Tree 3.The Hermit 4.My Demon Brother 5.Morning of the Magicians 6.Oliver Haddo 7.Night of Augury 8.The Witch's Dance 9.Daughter of the Sun
Seit geraumer Zeit habe ich nicht mehr so eine perfekte Bandleistung erlebt. Die Band ist sich absolut stimmig. Jedes Arrangement ist klug durchdacht und trotz der stetig vertretenden Referenzen, weiß man genau, dass nur BLOOD CEREMONY so einen Sound hinbekommen. Das Songmaterial weißt keine Schwächen auf und man sucht vergebens nach musikalischen Schwachpunkten.
Einen Wermutstropfen gibt es leider bei diesem WAHNSINNSWERK. Der Gesang von Alia O'Brien ist, gegenüber dem Gesamtsound der Band, teilweise viel zu weit in den Hintergrund gemixt worden. Dadurch klingt ihre Stimme zeitweise recht dünn. Das mindert das Hörvergnügen leider doch ein wenig.
Dieses produktionstechnische Manko ist bei „Living With The Ancients“ auch das Zünglein an der Waage. Klar, dass es BLOOD CEREMONY mit diesem Album in die „HALL OF FAME“ schaffen, aber leider nicht mit der Höchstpunktzahl.
Es ist einfach nur atemberaubend, schön, verschreckend, bedrückend und macht hochgradig süchtig.
Btw: Die Band wird, im April, zusammen mit GHOST auch 3 Gigs in Deutschland absolvieren. Nutzt die Chance und schaut euch die phantastische Band an.
9 Punkte sind wohl verdient und so ist auch noch Spielraum, für die nächste Großtat der Band, vorhanden. Götz
|