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Band: Aura
Album: Deliverance
Spielzeit: 53:50 min.
Plattenfirma/ Vertrieb: Spider Rock Promotion
Homepage: ???
VÖ: 15.04.2011
Wertung: 7 von 10
Mir scheint es so, als ob die Progressive Rock/Metal Szene gerade ihren drölfzigsten Frühling erlebt. Der Underground brodelt und so manche, interessante Band kann bei mir punkten. In den letzten Wochen katapultierten sich CLANDESTINE und auch JOLLY, obwohl beide Bands erst ihr Debüt oder Zweitling veröffentlicht haben, gleich in die HALL OF FAME.
Mit „Deliverance“ legen die Italiener von AURA ihr zweites Album vor und möchten ein Stückchen vom Progressive Metal Kuchen für sich beanspruchen.

Gegründet haben sich AURA 1996 und veröffentlichten 12 Jahre später ihr Debüt Album "A Different View From The Same Side“, welches stark an den Vorbildern QUEENSRYCHE, RUSH, GENESIS und SPOCK's BEARD angelehnt war. Neben diesen Einflüssen stach auf dem Erstling auch ihre Vorliebe für Bands wie PINK FLOYD, YES und EMERSON, LAKE AND PALMER hervor.

Das Quartett besteht aus:
Giovanni Trotta (vocals and drums) – stelle ich mir sehr anstrengend bei Liveaktivitäten vor! Oder man greift auf die Dienste eines Tourschlagzeugers zurück.
Angelo Cerquaglia (bass)
Bruno (guitar)
Francesco Di Verniere (keyboards)

An dieser musikalischen Marschrichtung hat sich 2011 nicht viel geändert. Die Band ist ein wenig verspielter und melodiöser geworden. Die 70er Jahre Progressive Rock Einflüsse haben etwas an Bedeutung dazugewonnen. Dies merkt man an dem immer präsenten und  teilweise sounddominanten Keyboardspiel von Di Verniere. Sein Spiel reicht von klassischen Hardrock Tunes und geht bis zu spacigen, psychedelischen Tönen. Für meinen Geschmack hätte man Di Verniere ab und an mal an die Heizung ketten müssen. Mir sind besonders die spacigen Parts zu viel des Guten. Anstatt sich im Gesamtsound mit einzubinden wird mir ein bisschen zu sehr die Keyboardkeule geschwungen und einige dieser Parts wirken absolut deplatziert und erscheinen als totaler  Fremdkörper gegenüber dem recht warmen, homogenen Sound der restlichen Band.
Die Rhytmussektion überzeugt durch ein druckvolles Spiel und lässt sich vom Keyboard nicht in den Hintergrund drängeln, sondern versteht es äußerst Geschickt sich in Szene zu setzen – zu mindestens geschieht dies meistens. Trotta's Gesang erinnert mich stark an Geoff Tate sowie Steve Benito (HEIR APPARENT – kennt überhaupt noch jemand diese göttliche Band???) und passt sehr gut zur restlichen Band. Sein Organ ist kräftig genug, um gegen die Combo und dem Keyboard anzukommen. Dies ist ja im Progressive Rock Genre nicht immer der Fall.

Das Material besitzt genügend Eigenständigkeit, um nicht als Ripp Off abgetan zu werden. Vielleicht hätte die Band ihre Songs nicht fast alle im Midtempo Bereich anlegen sollen, sondern sich in diesem Falle ein bisschen facettenreicher/variabler/kreativer zeigen müssen. Denn von Durchlauf zu Durchlauf vermisse ich immer mehr einen Track, der es schafft aus dem vorgegebenen Muster, herauszubrechen. Midtempo – progressiver, etwas härterer Part – spacige Keyboards – Midtempo - ist das klassische Strickmuster fast jedes einzelnen Songs auf „Deliverance“. Vielleicht wird ab und an mal ein bisschen von diesem abgewichen, dies geschieht dann aber so unauffällig, dass man es kaum zur Kenntnis nimmt.

Zu den Highlights zählt ganz klar der Song „Egypt's Call“. Es werden Erinnerungen an QUEENSRYCHE wach, was besonders am Gesang liegt und brennt sich angenehm im Ohr fest. Der Bass und das Schlagzeug setzen sich sehr gut durch. Gitarre und Keys duellieren sich auf einem hohen Niveau und verleihen dem Song einen leicht orientalischen Touch. „The Bridge Of Silence“ beginnt mit einem angenehmen, ruhigen Pianopart bevor Trotta's Gesang einsetzt. Er singt behutsam, schon fast so, als ob er niemanden wecken möchte und steigert sein Volumen urplötzlich. Der getragene Song ist spärlich instrumentiert und besonders die Klaviereinsätze und das Gitarrensolo sind clever eingesetzt. Hier passt das gesamte Zusammenspiel der Band sehr gut. Das darauf folgende „The Last Stand“ entwickelt so etwas wie Ohrwurmcharakter, obwohl es sich nicht sehr vom vorangegangenen Song unterscheidet. Positiv ist wiederum die positive Gesangsleistung von Herrn Trotta zu vermerken. Er orientiert sich zwar auch hier stark an seinem Idol, macht dies aber mit einer eigenen Note und läuft nicht Gefahr, als Klon abgestempelt zu werden.

Tracklist:

1. The Arrival 8:20
2. In My Memories 6:17
3. Egypt's Call 4:46
4. The Eden's Tree 5:55
5. Efraim 2:01
6. A Candle's Dream 5:33
7. The Bridge Of Silence 6:00
8. The Glorious Day 6:51
9. The Last Stand 3:54
10. Resurrection 4:07

Im Falle von AURA ist beileibe nicht alles Gold was glänzt und trotz der o.g. Schwächen im Songwriting, hat die Band ein hörbares Album herausgebracht. Sie sind noch Lichtjahre vom DREAM THEATER, SPOCK's BEARD etc. Niveau entfernt – und auch an der Klasse von CLANDESTINE und JOLLY kommen sie nicht heran – haben aber durchaus ihre guten Momente. Das Potential im musikalischen Bereich ist definitiv vorhanden, was den kompositorischen Reifeprozess angeht, da müssen sie noch hart dran arbeiten.

Ich bin zuversichtlich und aufgrund der  soliden musikalischen Umsetzung, das teilweise nervige Keyboardspiel außen vor gelassen, gibt es von mir ganz hauchdünne 7 Punkte.
Götz
 

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