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Die letzten Jahre der Bandhistory von Anthrax glichen eher einer recht schlechten Soap: John Bush raus, Kurz-Reunion mit Joey Belladonna und Dan Spitz, Belladonna und Spitz wieder raus, Dan Nelson rein, ein paar Monate später wieder raus und eine erneute Reunion für die „Big 4“ - Shows. Nur richtig Kreatives, sprich: neue Musik, wurde irgendwie nicht mehr gemacht. So zog sich die Veröffentlichung von „Worship Music“ eine kleine Ewigkeit hin und seit der letzten Studioscheibe vergingen ganze 8 Jahre. „Worship Music“ war mit Dan Nelson bereits komplett eingetütet, ehe dieser sich mit seinen Bandkollegen verkrachte und Belladonna wieder an Bord kam. Inwieweit Joey hierbei noch wirklich kreativen Input hatte, ist schwer zu sagen. Fakt ist jedoch , dass sein Gesang die gesamte Scheibe trägt und er neben Scott Ian der absolute Star der Truppe ist. Was bietet nun die neue CD ? Letztlich versucht man die Lager „Anthrax mit Bush“/„Anthrax mit Belladonna“ gleichermaßen zufriedenzustellen, was letztlich auch vorzüglich gelingt. Nach dem kurzen „Worship“-Intro bricht gemeinsam mit Scott Ian’s Stakkato-Riffs eine Double-Bass-Orgie los, dass man meinen könnte, man lausche der neuen Slayer-CD. Als der Gesang einsetzt wird’s jedoch melodiöser und „Earth Is On Hell“ wird im Refrain zu einem schönen Stampfer. Toller Opener! Mit „The Devil You Know“ sowie „Fight Em Til You Can’t“ sind gleich zwei „Hits“ nacheinander enthalten, die die Old-School-Anthrax –Fraktion befriedigen sollte. Beide Titel könnte man sich auch gut auf „Among The Living“ vorstellen – so machen Anthrax Spaß. Mit „I’m Alive“ folgt ein weiterer Song mit Ohr-Wurm- Refrain. Joey singt nicht mehr ganz so hoch wie zu früheren Zeiten aber dafür nicht minder gut. Sein Gesang ist variabler geworden. Hervorzuheben ist auch die vorzügliche Produktion: Die Gitarren kommen messerscharf aus den Boxen und die Doublebassdrums sind druckvoll nach vorne gemischt. (Gitarrist Rob Caggiano und Anthrax waren die Produzenten der Platte). Das Streicher-Intro „Hymn 1“ leitet „In the End“ ein. Die Ian’schen Riffs sind auch hier wirklich grandios und machen das Midtempo-Stück zu einem der absoluten Highlights. Die zweite Hälfte der CD hat dann doch eine weitaus weniger traditionellere Ausrichtung als die ersten Songs vermuten ließen und sollen wohl auch die Bush-Anhängerschaft zufriedenstellen, zumal Joey Belladonna durch seine tiefere Stimmlage mehrmals an seinen Vor-Vorgänger erinnert. Tiefpunkt der Scheibe ist die Priest-Hommage „Judas Priest“, die an dem Hörer vorbeizieht ohne Akzente zu setzen. Am Ende klingen dann manche Songs doch etwas arg gleichförmig und lediglich „Revolution Screams“ sorgt mit seinem schnelleren Tempo nochmal für Abwechslung. Den Bonustrack „New Noise“ hätte es nun auch nicht unbedingt gebraucht, der ist dann doch etwas arg gewöhnungsbedürftig (auch wenn es sich hierbei „nur“ um eine Coverversion von einem Refused-Song handelt). Fazit: Anthrax sind in guter Form zurück und liefern eine sehr gute (Comeback-)Scheibe ab. Ein paar mehr Songs der alten Fun-Machart statt „Judas Priest“ oder „The Constant“ und die Scheibe wäre ein absoluter Knaller geworden. Nichtsdestotrotz haben Anthrax, was die „Big 4“ angeht, die Nase weit vor der neuen Megadeth. Nun liegt es an Slayer und Metallica, entsprechend nachzulegen. Ich freue mich drauf!
Martin W.
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